Pharma-Kritik

Retardiertes Morphin zur Opioid-Substitution

pharma-kritik Jahrgang 38, PK1010, Online-Artikel
Redaktionsschluss: 28. Februar 2017
DOI: https://doi.org/10.37667/pk.2016.1010
Bei der Behandlung von Personen mit einer chronischen Opioid-Abhängigkeit gilt heute die Opioid-Substitution als beste Wahl. Ziel der Opioid-Substitution ist die Reduktion der Mortalität und des Risikos von Infektionskrankheiten, die soziale Integration und die Verbesserung der Lebensqualität. In der Schweiz standen bisher zu diesem Zweck Methadon, Diacetylmorphin (Heroin, Diaphin®) und Buprenorphin (z.B. Subutex®) zur Verfügung. Die Schweiz. Gesellschaft für Suchtmedizin hat dazu genauere Empfehlungen publiziert (1). Probleme bei der Behandlung sind die kurze Wirkungszeit von Diacetylmorphin, das Risiko einer QTc-Verlängerung und exzessives Schwitzen bei Methadon und die lange Wartezeit nach Konsum der letzten Opioiddosis bei Buprenorphin. Neu ist auch das orale Morphin-Retardpräparat Sevre-long®, das schon seit einigen Jahren zur Schmerztherapie verfügbar ist (2), zur Substitution zugelassen.

Pharmakologie
Morphin wirkt als klassischer Agonist am my-Rezeptor im Gehirn. Nach einmaliger Gabe von Sevre-long® werden maximale Plasma-Spiegel nach zwei bis sechs Stunden erreicht. Oral eingenommenes Morphin wird in der Leber in das inaktive Morphin-3-Glukuronid und zu einem geringeren Teil in das aktive Morphin-6-Glukuronid metabolisiert, das eine kurze Plasma-Halbwertzeit von zwei bis vier Stunden besitzt. Die Glukuronide unterliegen einem enterohepatischen Kreislauf und werden innerhalb 24 Stunden mit dem Urin ausgeschieden. 

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