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Sponsoring beeinflusst Studienergebnisse

a -- Kjaergard LL, Als-Nielsen B. Association between competing interests and authors' conclusions: epidemiological study of randomised clinical trials published in the BMJ. BMJ 2002 (3. August); 325: 249-52 [Link]
infomed screen Jahrgang 6 (2002) , Nummer 10
Datum der Ausgabe: Oktober 2002

Studienziele

Bei Studien, die durch pharmazeutische Firmen unterstützt worden sind, werden Ergebnisse zuweilen so interpretiert, dass sie den Interessen des Geldgebers dienen. Hier wurde nun untersucht, ob es sich um ein begrenztes, einzelne Fachgebiete betreffendes Phänomen oder um ein generelles Problem handelt, das auch andere Interessenkonflikte betrifft.

Methoden

Es wurden alle randomisierten Studien zusammengestellt, die zwischen Januar 1997 und Juni 2001 im "British Medical Journal" publiziert worden sind. Mit Hilfe einer Skala wurde beurteilt, welche Schlüsse die Autorinnen und Autoren aus dem Ergebnis gezogen hatten, das heisst, ob und in welchem Mass das in der Interventions- oder das in der Kontrollgruppe erzielte Ergebnis favorisiert wurde. Als Interessenkonflikt wurde alles betrachtet, was die Interpretation eines Studienergebnisses beeinflussen kann, das heisst finanzielle, akademische, politische oder persönliche Eingebundenheit.

Ergebnisse

159 Studien aus 12 medizinischen Fachgebieten erfüllten die nötigen Kriterien. Darunter waren 41 Doppelblind- und 19 Einfachblindstudien bzw. 99 pharmakologische und 60 nicht-pharmakologische Studien. In 94 Studien wurden keine Interessenkonflikte angegeben. In 65 Fällen entstand ein Interessenkonflikt, sei er durch finanzielle Unterstützung der Studie durch gewinnorientierte Unternehmen allein (27 Studien), durch gewinnorientierte und nicht-gewinnorientierte gemeinsam (19 Studien) oder andere Interessenkonflikte (19 Studien). In der Mehrheit der Studien äusserten sich die Autorinnen und Autoren positiv gegenüber der Intervention, die Untersuchungsgegenstand war. Eine signifikante Assoziation zwischen Interessenkonflikt und Studieninterpretation ergab sich nur in denjenigen 27 Studien, die ausschliesslich durch ein gewinnorientiertes Unternehmen finanziell unterstützt worden waren; andere Formen von Interessenkonflikten schienen die Schlussfolgerungen nicht zu beeinflussen.

Schlussfolgerungen

In Studien, die mit direkten finanziellen Interessen verbunden sind, ist die Gefahr, dass die Schlussfolgerungen im Sinne des Geldgebers formuliert werden, grösser als in anderen Studien.

Wes' Brot ich ess, des' Lied ich sing - das weiss schon der Volksmund. Diese Studie bestätigt, dass Geld bzw. finanzielle Abhängigkeiten die Beurteilung von Forschungsresultaten zu Gunsten von Sponsoren verändert. Perfide daran ist, dass solche Mechanismen wohl zu einem grossen Teil unbewusst ablaufen; verständlicherweise gilt es deshalb schon fast als ehrenrührig, wenn man Forschern und Forscherinnen unterstellt, ihre Schlussfolgerungen seien möglicherweise durch finanzielle Interessenkonflikte verzerrt. Umso wichtiger ist, dass bei wissenschaftlichen Publikationen Geldquellen und andere Interessenkonflikte uneingeschränkt offengelegt werden - wie es einige Zeitschriften heute fordern. Dies wird helfen, sich bei der Interpretation von Studien ein korrigierendes Bild zu machen. Uns ist bewusst, dass sich das Problem auch in "infomed-screen" stellt: So sehr die fundierten Kommentare der Fachleute für uns einen unverzichtbaren Kernpunkt darstellen, so wenig wissen wir in den einzelnen Fällen über mögliche Interessenkonflikte.

 

Standpunkte und Meinungen

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