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Malariaprophylaxe mit der Kombination Atovaquon/Proguanil

r -- Hogh B, Clarke PD, Camus D et al. Atovaquone-proguanil versus chloroquine-proguanil for malaria prophylaxis in non-immune travellers: a randomised, double-blind study. Lancet 2000 (2. Dezember); 356: 1888-94 [Link]
Kommentator(in): 
infomed screen Jahrgang 5 (2001) , Nummer 2
Datum der Ausgabe: Februar 2001

Studienziele

Die Kombination Chloroquin (Nivaquine® u.a.) plus Proguanil (Paludrine®) ist gut verträglich, aber in Gegenden mit Multiresistenzen von Plasmodium falciparum zur Malariaprophylaxe wenig wirksam. Bei der Bevölkerung in Malariaendemiegebieten hat sich die fixe Kombination Atovaquon/Proguanil (Malarone®) als Malariaprophylaktikum als hoch wirksam und gut verträglich erwiesen. Bei nicht-immunen Reisenden waren bisher Wirksamkeit und
Nebenwirkungen dieser Kombination nicht bekannt. In einer Doppelblindstudie wurde nun bei europäischen, südafrikanischen und kanadischen Reisenden Atovaquon/Proguanil mit der Kombination Chloroquin plus Proguanil verglichen.

Methoden

Von 1’083 Reisenden in Plasmodium-falciparum-Endemiegebiete erhielt die Hälfte täglich kombiniert 250 mg Atovaquon/100 mg Proguanil, 2 Tage vor Abreise bis 7 Tage nach Rückkehr. Die andere Hälfte erhielt wöchentlich 310 mg Chloroquinbase plus täglich 200 mg Proguanil, 7 Tage vor Abreise bis 28 Tage nach Rückkehr. In beiden Gruppen wurden auch den aktiven Medikamenten der jeweils anderen Gruppe entsprechende Placebos verabreicht. Vor und nach der Reise wurden die Seren der Studienteilnehmer auf Antikörper gegen Plasmodium falciparum untersucht. Erfolgte wegen Malariaverdachts ärztliche Betreuung, so mussten auch Blutproben und Ausstriche an ein zentrales Labor gesandt werden.

Ergebnisse

1’008 Personen beendeten die Studie. Unter Atovaquon/Proguanil traten seltener gastrointestinale Nebenwirkungen auf (bei 12%) als unter Chloroquin plus Proguanil (bei 20%). Auch mittelschwere und schwere Nebenwirkungen waren unter Atovaquon/Proguanil seltener; Atovaquon/Proguanil wurde deshalb nur einmal, Chloroquin plus Proguanil jedoch zehnmal vorzeitig abgesetzt. Unter Chloroquin plus Proguanil erkrankten drei Personen an einer nachgewiesenen Plasmodium-falciparum-Malaria, unter Atovaquon/Proguanil war dies bei niemandem der Fall.

Schlussfolgerungen

Die fixe Kombination Atovaquon/Proguanil ist zur Prophylaxe der Plasmodium-falciparum-Malaria mindestens gleich wirksam wie die Kombination Chloroquin plus Proguanil, hat aber weniger gastrointestinale Nebenwirkungen und braucht weniger lange eingenommen zu werden.(MH)

Gut verträgliche Medikamente und ein einfaches Dosierungsschema sind die Voraussetzung, dass eine medikamentöse Prophylaxe der Malaria nicht frühzeitig abgebrochen wird. Dies ist bei den zur Zeit empfohlenen Medikamenten wie Mefloquin (Lariam® u.a.), Doxycyclin (Vibramycin® u.a.) oder der Kombination Chloroquin mit Proguanil nicht der Fall. Sowohl Atovaquon wie auch Proguanil weisen eine kausal-prophylaktische Wirkung gegen Leberformen von P. falciparum auf, so dass die Kombination nur 2 Tage vor Abreise bis 7 Tage nach der Rückkehr eingenommen werden muss. Die vorliegende Studie zeigt, dass Atovaquon/Proguanil signifikant weniger gastrointestinale unerwünschte Wirkungen verursacht als Chloroquin/Proguanil und etwa 10mal weniger häufig zu einem Abbruch der Prophylaxe führt. Ob Atovaquon/Proguanil prophylaktisch verabreicht vor einer Malariaerkrankung wirksam schützt, konnte in dieser für diese Fragestellung viel zu klein konzipierten Studie jedoch nicht gezeigt werden. Dazu wären mindestens 16mal mehr Teilnehmer notwendig gewesen. Obwohl Atovaquon/Proguanil bisher nur in einigen wenigen kleinen Studien bei ständig in Malaria-Endemiegebieten lebenden Personen geprüft wurde, ist es in den USA und Dänemark zur Prophylaxe der Malaria registriert worden.

Benedikt Holzer

 

Standpunkte und Meinungen

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Malariaprophylaxe mit der Kombination Atovaquon/Proguanil (Februar 2001)
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