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Krebs der Atemwege: Vitamin A und Acetylcystein nutzlos

r -- van Zandwijk N, Dalesio O, Pastorino U et al. EUROSCAN, a randomized trial of vitamin A and N-acetylcysteine in patients with head and neck cancer or lung cancer. J Natl Cancer Inst 2000 (21. Juni) 92: 977-86 [Link]
Kommentator(in): 
infomed screen Jahrgang 4 (2000) , Nummer 10
Datum der Ausgabe: November 2000

Studienziele

Experimentelle Resultate weisen darauf hin, dass Retinoide und Antioxidantien das Potential haben, der Entwicklung von Krebs vorzubeugen. In der vorliegenden EUROSCAN-Studie wurde untersucht, ob Vitamin A oder Acetylcystein (Fluimucil® u.a.) die Prognose von Personen verbessert, die bereits an einem Krebs der oberen oder unteren Atemwege erkrankt sind.

Methoden

Zwischen 1988 und 1994 wurden 2’573 Krebskranke aus 15 Ländern in die Studie aufgenommen. Die meisten Teilnehmenden rauchten oder hatten geraucht. Sie wurden wegen eines Primärtumors – Mundhöhlen-, Larynx- oder Lungenkrebs – operativ, radiologisch oder kombiniert behandelt. Während 2 Jahren erhielten die in 4 Gruppen randomisierten Kranken entweder Vitamin A (im ersten Jahr 300‘000 IU/Tag, im zweiten Jahr 150‘000 IU/Tag) oder Acetylcystein (täglich 600 mg während 2 Jahren). Personen der dritten Gruppe erhielten beide Substanzen in der erwähnten Dosierung, Personen der Kontrollgruppe bekamen weder Vitamin A noch Acetylcystein. Kontrollen fanden in den ersten beiden Jahren in dreimonatlichen, danach in sechsmonatlichen Abständen statt. Primäre Endpunkte waren: rückfallfreie und gesamte Überlebenszeit und das Auftreten eines Sekundärtumors der oberen und unteren Luftwege.

Ergebnisse

485 Personen hatten primär einen Mundhöhlen-, 1’065 einen Larynx- und 1’023 einen Lungenkrebs. Das Durchschnittsalter betrug 61 Jahre, 13% waren Frauen. 6,5% aller Krebskranken hatten nie geraucht. Nach Diagnosestellung rauchten von den bereits Rauchenden 25% weiter. 647 Personen erhielten Vitamin A, 642 Acetylcystein, 643 Vitamin A und Acetylcystein. Die Kontrollgruppe umfasste 641 Personen. Nach einer 49 Monaten dauernden Beobachtungszeit (Medianwert) hatten 916 Personen entweder ein Tumorrezidiv (n=572) oder einen Sekundärtumor (n=211) oder waren gestorben (n=133). Es konnte kein statistisch signifikanter Unterschied bezüglich der Überlebensdauer bzw. rückfallfreier Zeit festgestellt werden zwischen Personen, welche Vitamin A erhielten, und solchen, die kein Vitamin A erhielten. Das Gleiche galt für Personen, welche Acetylcystein erhielten gegenüber denjenigen ohne Acetylcystein. In der Kontrollgruppe stellte man eine niedrigere Inzidenz von Sekundärtumoren fest, die Differenz zu den aktiv Behandelten war aber statistisch nicht signifikant.

Schlussfolgerungen

Eine Zusatzbehandlung mit Vitamin A oder mit Acetylcystein bringt Kranken mit Mundhöhlen- oder Larynx- bzw. Lungenkrebs keinen therapeutischen Vorteil.(AL)

Die in vier gut ausgewogenen Gruppen randomisierte Studie kann die präventive Bedeutung dieser in vitro gut dokumentierten Substanzen bei Hochrisiko-Personen (Ex-Raucher oder aktive Raucher) bezüglich Sekundärmalignom nicht bestätigen. Dieses Resultat erstaunt insofern nicht, als die Tumorentstehung ein enorm komplizierter Mehrstufenprozess ist, der nach unserem Wissenstand mindestens 10 Jahre braucht, um klinisch manifest zu werden. Die Beobachtungszeit dieser Studie erstreckte sich aber nur über gut 4 Jahre. Die Autoren kommen deshalb auch zum Schluss, dass eine zuverlässige Beurteilung präventiver Substanzen mindestens 10 Jahre Beobachtung braucht. Dasselbe gilt ja auch bei den Adjuvansstudien des Mammakarzinoms.

Peter Forrer

 

Standpunkte und Meinungen

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