infomed-screen

Frühkindliche Kontakte schützen vor Asthma

k -- Ball TM, Castro-Rodriguez JA, Griffith KA et al. Siblings, day-care attendance, and the risk of asthma and wheezing during childhood. N Eng J Med 2000 (24. August); 343: 538-43 [Link]
Kommentiert von: Martin Häcki
infomed screen Jahrgang 4 (2000) , Nummer 9
Datum der Ausgabe: Oktober 2000

Studienziele

Asthma bronchiale ist in den westlichen Industrieländern die häufigste chronische Krankheit bei Kindern. Dies beruht möglicherweise darauf, dass Kleinkinder heutzutage weniger Infekten als früher exponiert sind. Es ist bekannt, dass ältere Geschwister und der Besuch einer Kindertagesstätte das Risiko von Infektionen erhöhen. In dieser Studie wurde untersucht, ob dies auch das Auftreten von Asthma beeinflusst.

Methoden

Zwischen 1980 und 1984 wurden 1‘246 Neugeborene in die «Tucson Children’s Respiratory Study» aufgenommen, die dann im Alter von 2, 6, 8, 11 und 13 Jahren erneut untersucht wurden. Bestimmt wurde die Inzidenz von Asthma (mindestens eine ärztlich dokumentierte Episode im Alter zwischen 6 und 12 Jahren) und die Prävalenz von häufigem Giemen (mehr als drei Episoden im vorausgegangenen Jahr). Ausserdem wurden Informationen gesammelt über das Vorhandensein von älteren Geschwistern, einen Aufenthalt in Kindertagesstätten, Asthma bei den Eltern und Rauchen der Mutter in der Schwangerschaft.

Ergebnisse

Von 1’035 Kindern konnten genügend Informationen für eine Auswertung gesammelt werden. Die Inzidenz von Asthma war umso geringer, je mehr ältere Geschwister ein Kind hatte (Relatives Risiko [RR] 0,8 für jedes ältere Geschwister) und wenn es bereits im ersten Lebenshalbjahr in einer Kindertagesstätte in Kontakt zu anderen Kindern kam (RR 0,4). Beide Korrelationen waren statistisch knapp signifikant. Asthma trat signifikant häufiger auf bei Knaben (RR 1,5) und bei Kindern von asthmakranken Eltern (Mutter: RR 2,3; Vater: RR 1,6). Was Asthmaepisoden mit Giemen anbelangt, war der Zusammenhang komplexer: im Alter von 2 Jahren waren diese häufiger bei vermehrter Infektexposition, ab 6 Jahren kehrte sich das Verhältnis um.

Schlussfolgerungen

Kinder mit häufigen frühkindlichen Kontakten zu anderen Kindern leiden später seltener an Asthma bronchiale.

Die Zahl der Geschwister und der frühkindliche Aufenthalt in einer Kindestagesstätte hat einen (z.T. knapp signifikanten) Einfluss auf die Entwicklung von Asthma im Schulalter. Die weltweite Zunahme des Asthma in Industrie- wie Entwicklungsländern ist damit aber bei weitem nicht erklärt, was die Häufigkeit von Allergien (48 bzw. 57%) und Asthma (9 bis 21%) im untersuchten Kollektiv verdeutlicht. Viel interessanter ist der nachweisbare Einfluss eines Tagesstättenaufenthaltes ausschliesslich in den ersten 6 Lebensmonaten. Die vielfältigen Umwelteinflüsse auf die frühkindliche Entwicklung bezüglich Immunsystem, ZNS etc. werden wahrscheinlich immer noch unterschätzt, weil ungenügend untersucht!

Martin Häcki

 

Standpunkte und Meinungen

Es gibt zu diesem Artikel keine Leserkommentare.
infomed-screen 4 -- No. 9
Infomed Home | infomed-screen Index
Frühkindliche Kontakte schützen vor Asthma (Oktober 2000)
Copyright © 2020 Infomed-Verlags-AG

med111.com

infomed-screen abonnieren

100 wichtige Medikamente

mailingliste abonnieren

infomed-screen Links
infomed-screen abonnemente
aktueller infomed-screen jahrgang
aktueller pharma-kritik jahrgang
Was bedeuten die Symbole?
rRandomisiert-kontrollierte Studie
kKohortenstudie
fFall-Kontroll-Studie
mMeta-Analyse oder systematische Übersicht
aAndere Studienart