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Wann ist ein Mammakarzinom geheilt?

k -- Karrison TG, Ferguson DJ, Meier P et al. Dormancy of mammary carcinoma after mastectomy. J Natl Cancer Inst 1999 (6. Januar); 91: 80-5 [Link]
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infomed screen Jahrgang 3 (1999) , Nummer 3
Datum der Ausgabe: März 1999

Studienziele

Die Länge des Intervalls zwischen einer erfolgreichen Primärbehandlung eines Karzinoms und dem Erfassen eines Lokalrezidivs oder einer Metastasierung bestimmt den Zeitraum, in dem die Patientinnen zur rechtzeitigen Erkennung solcher Folgeerscheinungen weiterhin beobachtet werden müssen. Es ist bekannt, dass dieser Zeitraum beim Mammakarzinom besonders lang ist. In der vorliegenden Studie werden die Daten von bis zu 45 Jahren dauernden Nachbeobachtungsperioden nach radikaler Mastektomie analysiert.

Methoden

1'547 Patientinnen, die sich in den Jahren 1945 bis 1987 wegen eines invasiven Mammakarzinoms – teilweise mit regionärem Lymphknotenbefall – in Chicago einer radikalen Mastektomie unterzogen hatten, wurden über einen Zeitraum von mehr als 4 Dezennien nachbeobachtet. Etwa ein Viertel der Patientinnen hatte zusätzlich eine Strahlentherapie erhalten, ein Teil auch Hormon- oder Chemotherapie. Aus der klinisch, bioptisch oder radiologisch ermittelten Anzahl erstmaliger Rezidive bzw. Metastasierungen und Todesfälle innerhalb jedes postoperativen Jahres wurde eine Risikoabschätzung für solche Ereignisse innerhalb des betreffenden Zeitraumes vorgenommen. Die erhaltenen Daten wurden mit denen der entsprechenden Normalbevölkerung verglichen.

Ergebnisse

Die meisten Rezidive traten innerhalb von 10 Jahren nach Mastektomie auf, mehr als 20 Jahre nach dem operativen Eingriff waren sie sehr selten. Von 192 Patientinnen, die 26 bis 45 Jahre nachbeobachtet wurden, erkrankte während dieser Beobachtungsperiode nur noch eine an einem Rezidiv, 27 Jahre nach der Mastektomie. Patientinnen, bei denen innerhalb von 5 Jahren nach der Primärbehandlung bereits wieder Tumorzellen nachweisbar waren, hatten eine deutlich geringere Lebenserwartung, als solche, bei denen dies erst nach mehr als 5 Jahren der Fall war. Im Vergleich zur Normalbevölkerung blieb die Mortalität über einen Zeitraum von 20 Jahren erhöht, die Mortalitätsrate war dabei vom anfänglichen Tumorstadium abhängig.

Schlussfolgerungen

Das erstmalige Auftreten von Rezidiven oder Metastasen 25 Jahre nach einer radikalen Mastektomie ist äusserst selten und die Mortalität mehr als 20 Jahre nach der operativen Entfernung des Primärtumors nicht mehr erhöht. Deshalb können Patientinnen, die während 20 bis 25 Jahren tumorfrei bleiben, als geheilt gelten.

Diese Übersicht über 1'547 Patientinnen ist sehr aktuell, indem sie neue Aspekte bezüglich Biologie des Mammakarzinoms bringt, das, wie wir alle wissen, postoperativ enorm vielfältig verlaufen kann: vom perakuten, oft inflammatorischen letalen Verlauf bis zu sporadischen, meist hormonsensiblen Rückfällen, die sich über Jahrzehnte hinziehen können. Bisher hat man diese Verlaufsunterschiede durch unterschiedliche Aggressivität der Tumorzelle zu erklären versucht, die meist morphologisch definiert wurde: Mitoserate, Nekroseneigung, Polymorphie, Invasion in Lymph- und Blutgefässe, zytogenetische Abnormitäten u.a.

Der Begriff der Ruhephase ist gerade in der Zeit der Adjuvanstherapie von ganz besonderer Bedeutung, wo die Gefahr der Überbehandlung noch lange nicht beseitigt ist.

Peter Forrer

 

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