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Blasenkrebs wegspülen

k -- Michaud DS, Spiegelman D, Clinton SK et al. Fluid intake and the risk of bladder cancer in men. N Engl J Med 1999 (6. Mai); 340: 1390-7 [Link]
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infomed screen Jahrgang 3 (1999) , Nummer 5
Datum der Ausgabe: Mai 1999

Studienziele

Eine vermehrte Flüssigkeitsaufnahme führt zu einer reduzierten Urinkonzentration und zu einer erhöhten Miktionsfrequenz. Damit wird auch die Konzentration möglicher Karzinogene und das Risiko eines Blasenkarzinoms gesenkt. Die «Health Professionals Follow-up Study», eine grosse amerikanische Kohortenstudie bei Männern mit medizinischen Berufen, bot Gelegenheit, den Einfluss verschiedener Trinkmengen auf die Entstehung eines Blasenkrebses zu prüfen.

Methoden

Für die vorliegende Analyse wurden die Daten von 47'909 Männern aus der erwähnten Studie ausgewählt. Die Teilnehmer beantworteten zwischen 1986 und 1994 alle 2 Jahre unter anderem Fragen zu ihrem Trinkverhalten. Die Berechnung der Flüssigkeitsaufnahme berücksichtigte 22 verschiedene Getränkekategorien. Bis Januar 1996 wurden sämtliche Fälle von Blasenkrebs erfasst. Mittels logistischer Regressionsanalyse wurden bekannte und mögliche Risikofaktoren, die zu einem Blasenkarzinom führen können, ausgewertet.

Ergebnisse

In der Beobachtungszeit wurden 252 Fälle von Blasenkarzinomen neu entdeckt. Männer, die täglich mehr als 25 dl Flüssigkeit zu sich nahmen, hatten im Vergleich mit solchen, die weniger als 13 dl tranken, nur etwa das halbe Risiko eines Blasenkrebses. Wenn nur gerade das Trinkwasser berücksichtigt wird, ergibt sich folgendes: Männer, die mehr als 14,4 dl Wasser täglich tranken, hatten etwa das halbe Risiko wie diejenigen, die weniger als 2,4 dl tranken. Ähnliche Resultate wurden für andere Getränke gefunden. Anhaltspunkte, dass der Konsum von chloriertem Leitungswasser das Blasenkrebsrisiko beeinflusst, wurden nicht gefunden. Ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Gesamtmenge Koffein oder Alkohol und dem Blasenkarzinomrisiko konnte nicht festgestellt werden. Eine separate Analyse bei den Rauchern zeigt, dass Raucher in der Gruppe mit der geringsten Flüssigkeitszufuhr ein rund 3mal höheres Risiko aufweisen als Raucher in der Gruppe mit der höchsten Flüssigkeitszufuhr. Das Blasenkrebsrisiko steigt im Alter deutlich an.

Schlussfolgerungen

Männer, die viel trinken, haben ein kleineres Risiko, an einem Blasenkarzinom zu erkranken. Speziell Raucher können von einer hohen Flüssigkeitszufuhr profitieren.  

Das Blasenkarzinom ist beim Mann 4mal häufiger als bei der Frau. Beobachtungen an Tieren lassen vermuten, dass eine hohe Flüssigkeitseinnahme die Exposition des Urothels gegenüber potentiellen Karzinogenen vermindert. Die vorliegende Studie kommt zu folgendem Schluss: Je höher die Flüssigkeitsaufnahme, desto geringer das Karzinomrisiko, wobei 240 ml mehr Flüssigkeit pro Tag einer Risikoreduktion von 7% entsprechen. Wird nun ein wichtiger Risikofaktor – das Zigarettenrauchen – miteinbezogen, so fallen die viel diskutierten Faktoren wie Kaffee und Alkohol weg. Diese Studie kann die Hypothese, wonach Chlorbeigabe zum Trinkwasser das Karzinomrisiko erhöhe, nicht bestätigen.

Peter Forrer

 

Standpunkte und Meinungen

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Blasenkrebs wegspülen (Mai 1999)
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