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Brustkrebs: ist eine rasche Behandlung entscheidend? (Studie 1)

m -- Ramirez AJ, Westcombe AM, Burgess CC et al. Factors predicting delayed presentation of symptomatic breast cancer: a systematic review. Lancet 1999 (3. April); 353: 1127-31 [Link]
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infomed screen Jahrgang 3 (1999) , Nummer 5
Datum der Ausgabe: Mai 1999

Studienziele
Zwischen dem Zeitpunkt, zu dem eine krebsverdächtige Brustveränderung festgestellt wird, und dem Beginn der Behandlung eines Mammakarzinoms kann viel Zeit verstreichen. In den vorliegenden drei Analysen wurden Gründe und Folgen von Therapieverzögerungen untersucht.

Methoden
Die erste Metaanalyse umfasste 87 Studien mit total 101'954 Brustkrebspatientinnen, in denen das Intervall zwischen den ersten Symptomen und dem Therapiebeginn untersucht wurde. In dieser Metaanalyse wurde untersucht, ob sich eine Verzögerung der Behandlung negativ auf die Lebenserwartung der Patientinnen auswirkt. Die zweite Arbeit, ebenfalls eine Metaanalyse, berücksichtigte 23 Studien. Hier wurden die Elemente (Alter, Zivilstand u.a.) untersucht, die für die Therapieverzögerung verantwortlich sein könnten. In der dritten Studie wurde untersucht, ob Verzögerungen zwischen dem Zeitpunkt der ärztlichen Verdachtsdiagnose bzw. Überweisung und dem Therapiebeginn das Überleben beeinflussen. Diese Studie beruhte auf der retrospektiven Analyse der Daten von 36'222 Brustkrebspatientinnen aus dem Krebsregister von Yorkshire.

Ergebnisse
Die erste Metaanalyse lässt den Schluss zu, dass ein Intervall von 3 bis 6 Monaten zwischen dem Auftreten erster Symptome und Therapiebeginn die Lebenserwartung negativ beeinflusst. Die zweite Studie zeigt, dass ältere Frauen bei Auftreten von Symptomen länger bis zum Arztbesuch warten. Verzögerungen auf der ärztlichen Seite waren bei Brustveränderungen, die nicht als Knoten imponierten und bei jungen Frauen festzustellen. Die dritte Studie zeigt ein Ergebnis, das im Widerspruch zur ersten Studie steht. Frauen, die erst 3 oder mehr Monate nach Überweisung behandelt wurden, hatten keine verschlechterten Überlebenschancen. Frauen, die innerhalb von 30 Tagen nach Spitalüberweisung eine Therapie erhielten, hatten dagegen in dieser Studie die schlechteste Prognose.

Schlussfolgerungen
Ein begleitendes Editorial kommt zum Schluss, dass die Qualität der Behandlung von grösserer Bedeutung sei als eine allfällige Verzögerung.1

In zwei grossen Übersichten wird die Bedeutung des Zeitintervalls zwischen Entdeckung und Behandlungsbeginn eines Mammakarzinoms bezüglich Krankheitsverlauf und Überleben untersucht. Dieses Intervall zerfällt in 3 Abschnitte:

1. Zeit zwischen erstem Symptom und Aufsuchen des Hausarztes,

2. Zeit zwischen Erstkonsultation und Überweisung,

3. Zeit zwischen Überweisung und Therapiebeginn.
Der erste Abschnitt wird nur durch die Patientinnen bestimmt, ist schwer beeinflussbar (Dissimulation, Diagnosenangst usw.) und erklärt wenigstens teilweise den Widerspruch zwischen der ersten und der dritten Studie. In der letzteren findet sich kein Zusammenhang zwischen Intervall und Überleben im Gegensatz zur ersten Studie, einer grossen Metaanalyse, wo ein längeres Intervall (über 3 Monate) mit kürzerem Überleben gekoppelt ist. Eine weitere Erklärung für diesen Gegensatz liegt in der Tatsache, dass aggressive, rasch wachsende Tumoren zu einer Intervallverkürzung führen. Interessanterweise ist der zweite Abschnitt, für den der Hausarzt weitgehend verantwortlich ist, bei jungen Frauen länger als bei älteren. Eine mögliche Einflussnahme auf diese Abschnitte via Aufklärung und Fortbildung wird diskutiert.

Peter Forrer

1 Coates AS. Breast cancer: delays, dilemmas and delusions. Lancet 1999 (3. April); 353: 1112-3

 

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Brustkrebs: ist eine rasche Behandlung entscheidend? (Studie 1) (Mai 1999)
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