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Antibiotika bei Pharyngitis nutzlos

r -- Little P, Williamson I, Warner G et al. Open randomised trial of prescribing strategies in managing sore throat. Br Med J 1997 (8. März); 314: 722-7
Kommentator(in): 
infomed screen Jahrgang 1 (1997) , Nummer 5
Datum der Ausgabe: Mai 1997

Studienziele
In dieser Studie wurde der Einfluss von drei verschiedenen Verschreibungsstrategien auf den klinischen Verlauf von Halsentzündungen untersucht.

Methoden
714 Personen, die zwischen 1994 und 1996 eine von elf Allgemeinpraxen in Südengland wegen Pharyngitis aufsuchten, wurden in die Studie aufgenommen. Kinder unter vier Jahren wurden ausgeschlossen. Die Zuteilung in 3 Gruppen erfolgte nach dem Zufallsprinzip. Die erste Gruppe (n=246) wurde sofort während zehn Tagen mit Phenoxymethylpenicillin (z.B. Fenoxypen®) oder bei Penicillinallergie mit Erythromycin (z.B. Erythrocin®) behandelt. Die zweite Gruppe (n=238) wurde ebenfalls mit Antibiotika behandelt, jedoch erst nach 3 Tagen bei fehlendem Abklingen der Symptome. Die dritte Gruppe (n=230) wurde lediglich symptomatisch behandelt. Die Dauer der Symptome, die Zufriedenheit und die Kooperationsbereitschaft der Behandelten, die Wirksamkeit der Medikamente sowie die Anzahl Krankheitstage wurden verglichen.

Ergebnisse
Unabhängig von der Therapie fühlten sich nach 3 Tagen 30 bis 37% der Patientinnen und Patienten besser. Auch die durchschnittliche Dauer der Erkrankung (4-5 Tage), die Arbeitsunfähigkeit oder Absenz von der Schule (2 Tage) oder die Zufriedenheit mit der Behandlung (90-96%) unterschieden sich in den drei Gruppen statistisch nicht signifikant. Die von Beginn an mit Antibiotika behandelten Personen litten lediglich während eines Tages an Fieber, die anderen während zwei. Die sofort mit Antibiotika Behandelten waren häufiger von der Wirksamkeit der Antibiotikatherapie überzeugt (87%), als die, die später (60%) oder nicht mit Antibiotika behandelt wurden (55%). Sie gaben häufiger an, auch in Zukunft bei ähnlichen Erkrankungen wieder den Arzt aufsuchen zu wollen. Ein wichtiger Grund für die Arztkonsultation war die Legitimation des Krankseins gegenüber dem Arbeitgeber, der Schule oder der Familie. Die Dauer der Krankheit wurde direkt durch die Zufriedenheit der Patienten beeinflusst.

Schlussfolgerungen
Antibiotika beeinflussten den Verlauf der Halsbeschwerden bei Tonsillopharyngitiden nicht wesentlich. Sie verstärkten jedoch den Glauben an die Wirksamkeit einer Antibiotikatherapie und erhöhten die Bereitschaft, bei ähnlichen Beschwerden wiederum einen Arzt aufzusuchen.

Eine Therapie mit Antibiotika ist nur bei einer Infektion des Halses mit beta-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A indiziert und hat in erster Linie die Prävention des (heute in Europa sehr seltenen) rheumatischen Fiebers zum Ziel. Die unkontrollierte Verschreibung von Antibiotika bei Halsentzündung fördert lediglich die Medikalisierung einer selbstlimitierenden Erkrankung und bestärkt den Glauben an die unbedingte Notwendigkeit einer solchen Therapie.

Benedikt Holzer

 

Standpunkte und Meinungen

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Antibiotika bei Pharyngitis nutzlos (Mai 1997)
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