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So entstehen Makrolid-Resistenzen

  • r -- Malhotra-Kumar S, Lammens C, Coenen S et al. Effect of azithromycin and clarithromycin therapy on pharyngeal carriage of macrolide-resistant streptococci in healthy volunteers: a randomised, double-blind, placebo-controlled study. Lancet 2007 (10. Fe
  • Zusammengefasst von: Anne Witschi
  • Kommentiert von: Anne Witschi
  • infomed screen Jahrgang 11 (2007) , Nummer 3
    Datum der Ausgabe: Mai 2007

Studienziele
In epidemiologischen Studien wurde gezeigt, dass der Gebrauch von Antibiotika (z.B. Makroliden) mit einer Resistenzentwicklung gewisser Keime assoziiert ist. Die vorliegende Doppelblindstudie prüfte, ob Resistenzentwicklungen bei Streptokokken der natürlichen Mundflora nach einer antibiotischen Behandlung nachgewiesen werden können.

Methoden
Die Studie wurde bei 224 gesunden Erwachsenen durchgeführt. Bedingung für ein Mitmachen war, dass während drei der Studie vorausgehenden Monaten keine Antibiotika eingenommen worden waren. Von vier Behandlungsgruppen erhielt die eine Azithromycin (Zithromax® u.a.; einmal täglich 500 mg während 3 Tagen), die andere Clarithromycin (Klacid® u.a.; zweimal täglich 500 mg während 7 Tagen) und die beiden anderen je ein Placebo. Vor und nach Behandlungsbeginn sowie 180 Tage nach der letzten Dosis wurden Tonsillenabstriche untersucht.
 
Ergebnisse
Die beiden Antibiotikagruppen und die beiden Placebogruppen waren zu Beginn bezüglich Makrolidresistenzen in der Mundflora vergleichbar. In den Antibiotikagruppen waren unmittelbar nach Therapieende makrolidresistente Keime rund dreimal so häufig nachweisbar wie zuvor. Auch 180 Tage später war der Anteil an makrolidresistenten Streptokokken noch deutlich höher als vor Therapiebeginn, während sich die Resistenzlage in den beiden Placebogruppen wenig veränderte. Über die ganze Zeitdauer waren resistente Keime unter Azithromycin häufiger als unter Clarithromcycin. Unter Clarithromycin kam es hingegen zu einer Selektion von Keimen mit einer hohen Makrolid-Resistenz, die durch das sogenannte erm(B)-Gen vermittelt wird.

Schlussfolgerungen
Diese Studie belegt einen direkten Zusammenhang zwischen einer Makrolid-Einnahme und einer Selektion makrolidresistenter Streptokokken in der Mundflora. Die natürliche Mundflora könnte somit ein Reservoir für Anitbiotikaresistenzen bei potenziell pathogenen Keimen sein.

Zusammengefasst von Anne Witschi

Erstmals wurde der Zusammenhang zwischen Antibiotikaverbrauch und Resistenzentwicklung gegenüber Antibiotika in einer prospektiven Studie und am einzelnen Individuum aufgezeigt. Interessant dabei ist, dass offensichtlich auch subinhibitorische Antibiotikakonzentrationen die Resistenzentwicklung fördern. Das heisst, dass Antibiotika mit langer Halbwertszeit, wie das Azithromycin, noch lange nach deren Absetzen Resistenzen hervorrufen können. In der vorliegenden Studie waren 6 Monate nach Beendigung der Makrolidtherapie immer noch Resistenzen zu beobachten. Aus diesem Grund lauten die Empfehlungen zumindest für Kinder so, dass innerhalb von 6 Monaten nach einer Makrolidtherapie auf Makrolide verzichtet werden soll.

Anne Witschi

Standpunkte und Meinungen
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infomed-screen 11 -- No. 3
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So entstehen Makrolid-Resistenzen (Mai 2007)