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Helicobacter mit Antibiotika allein eradiziert

r -- Lam SK, Ching CK, Lai KC et al. Does treatment of Helicobacter pylori with antibiotics alone heal duodenal ulcer? A randomised double blind placebo controlled study. Gut 1997 (Juli); 41: 43-8 [Link]
Kommentator(in): 
infomed screen Jahrgang 1 (1997) , Nummer 8
Datum der Ausgabe: September 1997

Studienziele

Die Eradikation von Helicobacter pylori verhütet Ulkusrezidive. Zusätzlich zur antibiotischen Therapie wird jedoch ein Protonenpumpenhemmer verabreicht. In dieser Studie wurde untersucht, ob die antibiotische Therapie allein nicht auch zur Heilung führen würde.

Methoden

97 Personen (67% Männer) mit endoskopisch nachgewiesenem Duodenalulkus und einer Infektion mit Helicobacter pylori wurden während 2 Wochen entweder antibiotisch (viermal täglich 300 mg Metronidazol z.B. Flagyl®, 250 mg Clarithromycin = Klacid®, 500 mg Amoxicillin, z.B. Amoxi-Mepha®) oder mit Placebo behandelt. Eine Kontrollgastroskopie wurde in der 4. Woche durchgeführt. War noch keine Heilung erfolgt, so wurde in der 8. und allenfalls in der 12. Woche wieder gastroskopiert. In der 8. Woche wurde ein 13C-Harnstoff-Atemtest durchgeführt. Dyspeptische Beschwerden wurden primär mit Paracetamol (z.B. Panadol®), bei Nichtansprechen mit einem Mischpräparat aus Magnesiumtrisilikat und Aluminiumhydroxid (z.B. Drofaron®) behandelt.

Ergebnisse

In der Intention-to-treat-Analyse waren nach 4 Wochen 77% der aktiv Behandelten geheilt, verglichen mit 31% in der Placebogruppe. Nach 12 Wochen waren es 83% bzw. 53%. Eine Heilung war wahrscheinlicher, wenn der Atemtest nach 8 Wochen negativ ausgefallen war. Helicobacter pylori konnte bei 63% der antibiotisch Behandelten eliminiert werden. Bei 10% der Kontrollpersonen verschwand Helicobacter spontan. Die Behandlung wurde in beiden Gruppen gleich häufig (13%) wegen dyspeptischen Beschwerden abgebrochen.

Schlussfolgerungen

Diese Resultate lassen vermuten, dass es sich beim Ulkus duodeni primär um eine Infektionskrankheit handelt. Eine Minderheit der Ulzera heilte unter Placebo und trotz weiterbestehender Helicobacter pylori Infektion.

Mit dem Beweis, dass Antibiotika alleine das Duodenalulkus heilen können, erfolgte ein weiterer Schritt zur Abklärung seiner Pathogenese. Säurehemmende Medikamente werden trotzdem nötig bleiben, denn fast 20% der Patienten mit Antibiotika wiesen nach der Therapie noch Symptome auf (Placebo ca. 58%) und die Eradikationsrate von 63% ist bei Intention-to-treat-Analyse und bei einer sehr guten Compliance der Patienten enttäuschend. Dass in beiden Gruppen ein bemerkenswerter Teil geheilt wurde zeigt, dass noch andere Faktoren als Helicobacter pylori eine Rolle im Heilungsprozess des Duodenalulkus spielen. Das zur Zeit in Europa meist angewandte Eradikations-Schema (säurehemmendes Medikament plus 2 Antibiotika) wird wohl infolge dieser Studie nicht verdrängt. Man wird sich aber überlegen müssen, ob die Verabreichung von säurehemmenden Medikamenten über die eigentliche Dauer der Eradikationstherapie bei unkompliziertem Duodenalulkus mit schnell abklingenden Symptomen noch notwendig sein wird.

Janek Binek

 

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