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Psychosoziale Interventionen bei bipolaren Störungen

  • r -- Miklowitz DJ, Otto MW, Frank E et al. Intensive psychosocial intervention enhances functioning in patients with bipolar depression: results from a 9-month randomized controlled trial. Am J Psychiatry 2007 (September); 164: 1340-7 [Link]
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  • infomed screen Jahrgang 11 (2007) , Nummer 6
    Datum der Ausgabe: November 2007

Studienziele
Bipolare Störungen sind eine häufige Ursache von Arbeitsunfähigkeit. Viele Kranke haben auch ausserhalb der Krankheitsphasen Störungen in psychosozialen Funktionen. In randomisierten Studien wurde eine verminderte Rückfallgefahr durch spezifische psychosoziale Interventionen belegt, nur wenige berichteten über funktionelle Resultate. In dieser Studie wurde die Wirkung einer intensiven psychosozialen Intervention in Kombination mit Pharmakotherapie bezüglich psychosozialer Endpunkte wie Funktionieren von Beziehungen, Befriedigung bei der Arbeit und in der Freizeit untersucht.

Methoden
152 Personen mit einer bipolaren Störung I oder II wurden nach einer depressiven Phase in die Studie aufgenommen und für 9 Monate beobachtet. Bei der einen Gruppe wurde eine intensive psychosoziale Intervention mit 30 Sitzungen, bei der Kontrollgruppe im Rahmen der interdisziplinären Behandlung eine kurze psychoedukative mit 3 Sitzungen durchgeführt. Bei der intensiven Intervention kamen interpersonelle und soziale Rhythmustherapie, kognitive Verhaltenstherapie oder eine familienzentrierte Therapie zur Anwendung. Mittels strukturierter Interviews alle 3 Monate wurden psychosoziale Funktionen erfragt und mittels eines Punktesystems ausgewertet.

Ergebnisse
Bei den Kranken in der Gruppe mit der intensiven psychosozialen Intervention fand sich ein insgesamt besseres Resultat bezüglich psychosozialer Funktionen als in der Kontrollgruppe (Unterschied knapp signifikant). Signifikante Unterschiede fanden sich insbesondere für das Funktionieren von Beziehungen und die Lebens-Zufriedenheit. Wenn depressive Symptome bei der Auswertung mitberücksichtigt wurden, fand sich kein Nutzen der intensiven Intervention bezüglich Funktionieren bei Arbeit und in der Freizeit. Es fanden sich auch Unterschiede zwischen den verwendeten Psychotherapien in der Interventionsgruppe, die einzelnen Gruppen waren aber zu klein, um diese auswerten zu können.

Schlussfolgerungen
Eine intensive psychosoziale Intervention bei Personen mit bipolaren Störungen verbessert das Funktionieren in Beziehungen und die Lebens-Zufriedenheit.

Zusammengefasst von Felix Tapernoux

Die Fragestellung wäre relevant: Die Studie – sie zählt zu einem grösseren, mindestens teilweise von der öffentlichen Hand unterstützten Projekt – will die regelmässig untersuchte klinische um die selten erhobene psychosoziale Besserung ergänzen. Die Ergebnisse sind etwas weniger überzeugend. Wahrscheinlich ist für komplexere psychosoziale Endpunkte (wie namentlich die Arbeitsfähigkeit) die Untersuchungsdauer etwas zu kurz bemessen. (In einer früheren Studie schien sich nach 24 Monaten dann doch eine Verbesserung abzuzeichnen.) 1 Wirklich (und vom aktuellen Depressionsstatus unabhängig) erfolgreich sind die intensiven Interventionen eigentlich nur (aber doch immerhin) bei der Beziehungsfähigkeit. Was trotzdem bleibt: Die Behandlung von Kranken mit bipolaren Störungen (insbesondere rezidivierenden depressiven Episoden) stellt eine Herausforderung dar, welcher mit einer einzelnen therapeutischen Modalität (insbesondere der Pharmakotherapie) allein nicht beizukommen ist.

Peter Zingg-Müller

1     Lam DH, Hayward P, Watkins ER et al. Relapse prevention in patients with bipolar disorder: cognitive therapy outcome after 2 years. Am J Psychiatry 2005 (Februar); 162: 324-9

Standpunkte und Meinungen
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infomed-screen 11 -- No. 6
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Psychosoziale Interventionen bei bipolaren Störungen (November 2007)