Prognose bei akutem Koronarsyndrom

  • k -- Fox KA, Dabbous OH, Goldberg RJ et al. Prediction of risk of death and myocardial infarction in the six months after presentation with acute coronary syndrome: prospective multinational observational study (GRACE). BMJ 2006 (25. November); 333: 109 [Link]
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  • infomed screen Jahrgang 11 (2007) , Nummer 1
    Datum der Ausgabe: Januar 2007

Studienziele
Die Risikostratifizierung beim akuten Koronarsyndrom basiert bisher weitgehend auf Daten von Reperfusionsstudien. Bei der hier vorgestellten GRACE-Studie setzte man sich zum Ziel, auf der Basis möglichst unselektionierter Daten, die das ganze Spektrum des akuten Koronarsyndroms umfassen, ein Modell für die Berechnung des Risikos dieser Erkrankung zu erstellen.

Methoden
In 94 Spitälern in 14 Ländern wurden Daten erhoben von Personen mit einem akuten Koronarsyndrom (Herzinfarkte mit und ohne ST-Veränderungen, instabile Angina pectoris). Als Endpunkte wurden der Tod aus irgendwelchen Gründen oder die Kombination von Tod und nicht-tödlichem Herzinfarkt während und nach der Hospitalisation definiert. Aus 48 Variablen wurde mittels Regressions-Analyse ein Risikomodell berechnet. Dieses wurde dann an zwei Kollektiven überprüft: einerseits an später erhobenen Daten der GRACE-Studie, andererseits an den Daten der GUSTO-IIb-Studie.

Ergebnisse
Die Grunddaten für die Modellberechnung wurden zwischen 1999 und 2002 erhoben, jene für die Validierung zwischen 2003 und 2005. Erstere umfasste 21’688 Kranke mit einem akuten Koronarsyndrom. Davon verstarben innerhalb von 6 Monaten 1’757 Personen (8,1%), 1’046 während des Spitalaufenthalts (4,9%). Den sekundären Endpunkt Tod oder Herzinfarkt erlitten 3’306 Personen (15,2%). Mit der Regressionsanalyse wurde ein Risikovorhersagemodell erstellt mit 14 Variablen und für die praktische Anwendung daraus ein vereinfachtes Modell abgeleitet mit den 8 Variablen Alter, Herzfrequenz, Blutdruck, Kreatininwert, Herzinsuffizienz, Herzstillstand, ST-Veränderungen und erhöhte Herzenzyme. Mit beiden Modellen konnten in den Validierungskollektiven robuste Risikovorhersagen gemacht werden.

Schlussfolgerungen
Auf Grund der Ergebnisse dieser Beobachtungsstudie lässt sich beim akuten Koronarsyndrom mit relativ einfach zu ermittelnden Angaben das Sterbe- und Reinfarktrisiko berechnen. Das vereinfachte GRACE-Modell kann als Rechner vom Internet heruntergeladen werden (www.outcomes.org/grace).

Zusammengefasst von Werner Eugster

Abklärungs-/Therapieentscheide werden häufig unter Berücksichtigung weniger Befunde gefällt. Multifaktorielle Betrachtungsweisen überfordern uns wegen ihrer Komplexität. Hier liegt der Wert solcher Studien, indem sie die Komplexität auf ein überschaubares und verständliches Mass reduzieren und damit die Entscheide versachlichen. Grundsätzlich können solche Werkzeuge mithelfen, unser ärztliches Handeln wieder mehr auf die einzelnen Kranken zuzuschneiden, was in einer Zeit des technisch Machbaren sowie der Optimierung und Standardisierung von Behandlungsprozessen auch dringender denn je notwendig ist. Bei der Anwendung dieser Werkzeuge muss uns jedoch bewusst bleiben, dass auch sie auf statistischen Grundlagen beruhen mit eingeschränkter Aussagekraft für den Einzelfall.

Werner Eugster

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Prognose bei akutem Koronarsyndrom (Januar 2007)