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Bei Meta-Analysen Absender beachten!

  • a -- Jorgensen AW, Hilden J, Gotzsche PC. Cochrane reviews compared with in-dustry supported meta-analyses and other meta-analyses of the same drugs: systematic review. BMJ 2006 (14. Oktober); 333: 782-6 [Link]
  • Zusammengefasst von: Renato L. Galeazzi
  • infomed screen Jahrgang 11 (2007) , Nummer 1
    Datum der Ausgabe: Januar 2007

Meta-Analysen sind die Nagelprobe für die «Evidence Based Medicine». Auf ihnen gründen die «sichersten» Empfehlungen der meisten Guidelines. Doch auch sie sollten nach genau definierten und jeweils auch öffentlich gemachten Kriterien durchgeführt und verfasst sein. Die «Cochrane Collaboration» ist eine internationale Non-Profit-Organisation, welche nach solchen Kriterien Meta-Analysen erstellt und sie in der «Cochrane Library» gegen Bezahlung zur Verfügung stellt. Aber Meta-Analysen können auch von anderen Autorinnen und Autoren mit oder ohne Industrieunterstützung gemacht und veröffentlicht werden. Ein Vergleich der Qualität dieser verschiedenen Arbeiten drängt sich daher auf.

Die Studienverantwortlichen fanden 24 andere Meta-Ana-lysen, in denen Medikamente miteinander verglichen wurden, denen jeweils eine Cochrane-Arbeit zur gleichen Fragestellung gegenübergestellt werden konnte. Acht der Meta-Analysen waren durch die Industrie finanziert, bei 9 war die Finanzierung unklar und 7 waren anders finanziert. Diese Arbeiten wurden nun gemäss einem Score (referenziert, aber elektronisch nicht einsehbar) bewertet, die numerischen Auswertungen und die darauf basierenden Empfehlungen miteinander verglichen. Die Qualität war bei den Cochrane-Reviews besser (Medianwert 7/7) als bei den übrigen (3/7). Die numerischen Auswertungen der Therapieunterschiede (die eigentlichen «Meta-Analysen») waren vergleichbar. Dagegen wurde bei den Empfehlungen wiederum ein grosser Unterschied gefunden: Während alle industriegesponserten Analysen uneingeschränkte Empfehlungen für das untersuchte Medikament abgaben, war keine der Schlussfolgerungen der Cochrane-Analysen ohne Vorbehalte. Sechsmal wurde die Qualität der in die Analyse eingeschlossenen Artikel gerügt, siebenmal die hohen Kosten der favorisierten Therapie diskutiert.

Meta-Analysen (statistische Methode, um Resultate von Studien mit ähnlicher Fragestellung und ähnlichem Studiendesign zusammenzufassen) gelten zu Recht als wichtigste Grundlage für eine «Evidence Based Medicine». Jedoch müssen auch sie unter die Lupe genommen werden, bevor ihre Resultate akzeptiert werden, genau gleich wie andere Veröffentlichungen. An der vorliegenden Untersuchung ist interessant, dass nicht die numerischen Analysen in den beiden Gruppen differieren, sondern deren Interpretation, die gegebenen Empfehlungen. Es wurde wieder einmal mehr gezeigt, dass die Methoden- und Resultat-Kapitel für die Lesenden wichtiger sind als die Diskussion oder das «Abstract». Das Beurteilungsvermögen wird eben stark durch finanzielle Anreize beeinflusst. Auch bei der hier besprochenen Arbeit gilt es zu bedenken, dass die Studienverantwortlichen nicht verblindet waren und Mitarbeiter des Nordischen Cochrane-Zentrums in Kopenhagen sind.

Zusammengefasst von Renato L. Galeazzi

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infomed-screen 11 -- No. 1
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Bei Meta-Analysen Absender beachten! (Januar 2007)