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Erster Krampfanfall: Antiepileptika ja oder nein?

r -- Marson A, Jacoby A, Johnson A et al.; Medical Research Council MESS Study Group. Immediate versus deferred antiepileptic drug treatment for early epilepsy and single seizures: a randomised controlled trial. Lancet 2005 (11. Juni); 365: 2007-13 [Link]
Zusammerfasser(in): Peter Ritzmann
infomed screen Jahrgang 9 (2005) , Nummer 8
Datum der Ausgabe: August 2005

Nach einem ersten Krampfanfall ohne bekannten Auslöser beträgt das Risiko für Rückfälle etwa 50%. Das Dilemma für die Behandelnden: wenn alle antiepileptisch behandelt werden, wird die eine Hälfte unnötigerweise den Risiken und Unannehmlichkeiten einer Therapie ausgesetzt – wenn mit einer Behandlung zugewartet wird, könnte der verzögerte Therapiebeginn bei der einen Hälfte die Chronifizierung der Epilepsie begünstigen. In dieser offen geführten, randomisierten Studie wurden die beiden Strategien miteinander verglichen.

1'443 Personen wurden randomisiert, 56% hatten einen einzigen, 24% zwei und die übrigen mehr Krampfanfälle erlitten. Die Art der verwendeten Antiepileptika blieb den Behandelnden überlassen. In der sofort behandelten Gruppe war der Zeitraum bis zum ersten Rezidiv durchschnittlich grösser, nach 2 Jahren waren auch mehr rezidivfrei geblieben (insgesamt 64% gegenüber 52%, nach einmaligem Krampfanfall 69% gegenüber 61%). Kein Unterschied fand sich hingegen für die Zeit danach. Nach 5 Jahren waren 92% und 90% seit 2 Jahren anfallsfrei, nach 8 Jahren waren es 95% und 96%. Häufigste Nebenwirkungen der Therapie waren gastrointestinale Beschwerden, Sedation und psychische Veränderungen.

Eine sofortige antiepileptische Behandlung nach einem ersten Krampfanfall verhindert bei einem Teil der Behandelten einen ersten oder zweiten Rückfall. Längerfristig scheint das Zuwarten mit der Behandlung aber keine nachteiligen Folgen für die Betroffenen zu haben. Bei der Entscheidung für oder gegen einen Therapiebeginn sollen andere Faktoren wie EEG-Veränderungen, die soziale Situation und die persönliche Einstellung der Betroffenen Berücksichtigung finden.

Zusammengefasst von Peter Ritzmann

 

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Erster Krampfanfall: Antiepileptika ja oder nein? (August 2005)
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