infomed-screen

Partnerbehandlung bei Gonorrhoe

r -- Golden MR, Whittington WL, Handsfield HH et al. Effect of expedited treatment of sex partners on recurrent or persistent gonorrhea or chlamydial infection. N Eng J Med 2005 (17. Februar); 352: 676-85 [Link]
Zusammengefasst von: Mark Witschi
Kommentiert von: Nicola Low
infomed screen Jahrgang 9 (2005) , Nummer 4
Datum der Ausgabe: April 2005

Studienziele
Es ist bekannt, dass Geschlechtspartner von Gonorrhoeoder Chlamydien-Infizierten häufig nicht mitbehandelt werden. In dieser Studie aus den USA wurde untersucht, ob eine direkte Partnerbehandlung die Rate persistierender bzw. wiederkehrender Infektionen senken kann.

Methoden
In die Studie wurden 2'751 Frauen und heterosexuelle Männer aufgenommen mit einer nachgewiesenen Gonorrhoe oder genitalen Chlamydien-Infektion, die mindestens einen unbehandelten Geschlechtspartner angeben konnten und wollten. Nach dem Zufall erhielten die einen die Medikamente für die Partnerbehandlung direkt vom Studienpersonal zugestellt (1000 mg Azithromycin [Zithromax®], bei Gonorrhoe zusätzlich 400 mg Cefixim [Cephoral®]). Die übrigen wurden aufgefordert, ihren Partner oder ihre Partnerin in medizinische Behandlung zu schicken. Nach 10 bis 18 Wochen wurde untersucht, ob die Studienteilnehmenden noch oder wieder infiziert waren.

Ergebnisse
Gut drei Viertel der Untersuchten litten an einer Chlamydien- Infektion, die übrigen an einer Gonorrhoe oder beidem. 68% der in die Studie aufgenommenen Personen konnten nachkontrolliert werden. Eine persistierende oder wiederkehrende Infektion wurde bei 92 der 929 Untersuchten der Interventionsgruppe (10%) und bei 121 der 931 Untersuchten der Kontrollgruppe (13%) festgestellt (Unterschied statistisch signifikant). Die direkte Partnerbehandlung verbesserte vor allem das Resultat bei Gonorrhoe: in der Interventionsgruppe konnte nur bei 3% eine persistierende oder neue Infektion nachgewiesen werden gegenüber 11% der Kontroll-Gruppe. Nicht signifikant war der Unterschied bei den Chlamydien-Infektionen (11% gegenüber 13%).

Schlussfolgerungen
Die direkte Partnerbehandlung bei Gonorrhoe oder Chlamydien- Infektion senkt das Risiko persistierender oder wiederkehrender Infektionen, wobei Gonorrhoekranke stärker profitieren als mit Chlamydien Infizierte.

Zusammengefasst von Mark Witschi

Die rasche Behandlung der Partner/Partnerinnen von Personen mit einer sexuell übertragbaren Krankheit bezweckt, die weitere Übertragung der Infektion zu unterbinden. Aus verschiedenen Gründen ist unklar, ob eine Intervention wie die beschriebene auf Bevölkerungsebene einen spürbaren Effekt haben könnte. Erstens dürfte die absolute Reduktion der persistierenden oder wiederkehrenden Infektionen von 3% für eine Unterbrechung der Übertragung ungenügend sein. Zweitens reduzierte die sofortige Partnertherapie die Infektionen bei einer Gonorrhoe, nicht aber bei einer Chlamydieninfektion; die Gonorrhoe ist jedoch in der Schweiz nur für etwa 10% bis 15% der diagnostizierten bakteriellen Geschlechtskrankheiten verantwortlich. Drittens wurden keine homosexuellen Männer in die Studie aufgenommen, welche eher anonyme sexuelle Kontakte haben; diese können über die beschriebene Intervention nicht erreicht werden. Schliesslich ist fraglich, ob die Durchführung der beschriebenen Intervention in der Schweiz möglich wäre.

Nicola Low

 

Standpunkte und Meinungen

Es gibt zu diesem Artikel keine Leserkommentare.
infomed-screen 9 -- No. 4
Infomed Home | infomed-screen Index
Partnerbehandlung bei Gonorrhoe (April 2005)
Copyright © 2020 Infomed-Verlags-AG

med111.com

infomed-screen abonnieren

100 wichtige Medikamente

mailingliste abonnieren

infomed-screen Links
infomed-screen abonnemente
aktueller infomed-screen jahrgang
aktueller pharma-kritik jahrgang
Was bedeuten die Symbole?
rRandomisiert-kontrollierte Studie
kKohortenstudie
fFall-Kontroll-Studie
mMeta-Analyse oder systematische Übersicht
aAndere Studienart