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Unter Säurehemmern erhöhtes Pneumonie- Risiko

k -- Laheij RJ, Sturkenboom MC, Hassing RJ et al. Risk of community-acquired pneumonia and use of gastric acid-suppressive drugs. JAMA 2004 (27. Oktober); 292: 1955-60 [Link]
Zusammerfasser(in):
Kommentator(in): Manuel Battegay
infomed screen Jahrgang 9 (2005) , Nummer 2
Datum der Ausgabe: Februar 2005

Studienziele
Säurehemmer (H2-Rezeptor-Antagonisten und Protonenpumpenblocker) gehören zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten. Durch die pH-Erhöhung der Magenflüssigkeit steigt möglicherweise die Infektionsanfälligkeit. In dieser Kohortenstudie wurde der Zusammenhang zwischen Einnahme von Säurehemmern und dem Auftreten von ausserhalb des Spitals erworbenen Pneumonien untersucht.

Methoden
Aus einer Datenbank mit etwa 500'000 Patientinnen und Patienten von 150 niederländischen Allgemeinpraxen wurden diejenigen Personen ermittelt, die zwischen 1995 bis 2002 eine Pneumonie erlitten hatten. Untersucht wurde das Pneumonierisiko in Abhängigkeit von der Einnahme von Säurehemmern. Auch die Dauer der Einnahme und der zeitliche Zusammenhang zwischen Einnahme und dem Auftreten der Pneumonie wurden berücksichtigt.

Ergebnisse
Von 364'683 erfassten Personen wurde bei 5'551 eine ausserhalb des Spitals erworbene Pneumonie registriert. 5'366 Pneumonien traten bei den 345'224 Personen ohne Säurehemmer auf (Inzidenz von 0,6 pro 100 Personenjahre), während 477 Pneumonien auf die 19'459 Personen mit Einnahme von Protonenpumpen- bzw. H2-Blocker entfielen (2,5 pro 100 Personenjahre). Dies entspricht einer relativen Risikoerhöhung um das 4- bis 5-fache. Bei den H2-Blockern war die Erhöhung etwas geringer als bei den Protonenpumpenblockern, bei denen das Risiko mit höherer Dosis zunahm. Im Vergleich mit Personen, die in der Vergangenheit Säurehemmer eingenommen hatten, hatten solche, die die Standarddosis eines Protonenpumpenblockers einnahmen, ein 2-fach erhöhtes Risiko.

Schlussfolgerungen
Das Pneumonie-Risiko ist während der Einnahme von säurehemmmenden Medikamenten erhöht.

Zusammengefasst von Felix Tapernoux

Die Blockade der Säureproduktion des Magens durch H2-Rezeptor-Antagonisten oder Protonenpumpenblocker führt gemäss obiger Studie zu einer erhöhten Rate von Pneumonien. Randomisierte Studien werden mit diesem primären Endpunkt wahrscheinlich nicht durchgeführt werden können. Aufgrund des retrospektiven Charakters der Studie müssen die Resultate wegen der Pathophysiologie äusserst vorsichtig interpretiert werden. Es ist möglich, dass Kranke mit einer Pneumonie einen deutlich schwereren Reflux aufwiesen und deshalb vermehrt und länger Säureblocker erhielten. Aufgrund des verstärkten Refluxes wären sie einem erhöhten Risiko für Aspiration ausgesetzt gewesen. Trotz extensivem Risikofaktormatching und hochwertiger statistischer Analyse kann dieser Faktor nicht ausgeschlossen werden.

Manuel Battegay

 

Standpunkte und Meinungen

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Unter Säurehemmern erhöhtes Pneumonie- Risiko (Februar 2005)
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