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Malariaimpfung enttäuscht

r -- Nosten F, Luxemburger Ch, Kyle DE et al. Randomised double-blind placebo-controlled trial of SPf66 malaria vaccine in children in northwestern Thailand. Lancet 1996 (14. September); 348: 701-7
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infomed screen Jahrgang 1 (1997) , Nummer 1
Datum der Ausgabe: Januar 1997

Studienziele

Die Malaria ist eine der wichtigsten parasitären Krankheiten, die zu erheblicher Morbidität und Mortalität führt. Die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs gegen Plasmodium falciparum, den Erreger der Malaria tropica, ist deshalb vordringlich. SPf66 ist ein in Kolumbien entwickelter, synthetischer Peptid-Polymer-Impfstoff, der vier verschiedene Parasiten-Peptide enthält. Bisher wurde der Impfstoff bei Kindern in Gebieten mit unterschiedlicher Übertragungsintensität (Südamerika, Tansania und Gambia) geprüft. Die Schutzwirkung, die anhand der Malariainzidenz nach 3 Impfungen gemessen wurde, betrug zwischen 8% und 34%. Eine Meta-Analyse ergab eine für einen Impfstoff doch eher bescheidene Wirksamkeit von 27%. Die vorliegende Untersuchung aus dem Nordwesten von Thailand ist die erste in Südostasien durchgeführte Studie. Mit ihr sollte geprüft werden, ob eine dreimalige Impfung mit SPf66 das Risiko einer Malariaerkrankung bei Kindern zu senken vermag.

Methoden

1221 Flüchtlingskinder im Alter von 2 bis 15 Jahren erhielten nach dem Zufallsprinzip und im Doppelblindverfahren am Tag 0, 30 und 180 entweder SPf66- oder einen Hepatitis-B-Impfstoff. Anlässlich der Impfungen untersuchte man die Kinder und entnahm eine Blutprobe. Neben Routineanalysen wurden Antikörper zur Prüfung der Immunogenität der Impfstoffe gemessen und Plasmodien gesucht. Während der ganzen Studiendauer wurden die Kinder täglich von speziell ausgebildeten Helfern zu Hause oder in der Schule besucht und mit Hilfe der Eltern hinsichtlich Krankheitszeichen beurteilt. Der Endpunkt für die Bestimmung der Impfstoffwirksamkeit war die Zeit bis zum Auftreten der ersten symptomatischen Malariaerkrankung in einem Beobachtungszeitraum von 15 Monaten.

Ergebnisse

Bei 73% der mit SPf66 geimpften Kinder (in der Kontrollgruppe bei 3%) konnten einen Monat nach der dritten Impfung Antikörper gegen P. falciparum nachgewiesen werden. Nach weiteren 11 Monaten waren noch bei 28% (Kontrollgruppe 0%) Antikörper vorhanden. Bei den 610 mit SPf66 geimpften Kindern kam es innerhalb der 15 Monate dauernden Beobachtungszeit zu 195 Malariaerkrankungen. In der gleichen Periode traten bei den 611 Kindern in der Kontrollgruppe 184 Erkrankungsfälle auf – kein statistisch signifikanter Unterschied. Auch bezüglich Parasitendichte und Schweregrad der Erkrankungen gab es zwischen beiden Studiengruppen keine Unterschiede. Keiner der beiden Impfstoffe verursachte schwerwiegende unerwünschte Wirkungen. Die mit SPf66 geimpften Kinder litten jedoch signifikant häufiger an lokalen Symptomen wie Rötung, Induration, Überwärmung, Pruritus oder subkutanen Knoten an der Einstichstelle.

Schlussfolgerungen

Der SPf66-Impfstoff vermag die Inzidenz von P. falciparum-bedingten Malariaerkrankungen bei Kindern in Thailand nicht zu senken. Die Resultate der vorliegenden Studie decken sich mit denjenigen aus Gambia. In Tansania, einem Gebiet mit hoher Übertragungsintensität, konnte hingegen die Inzidenz bei geimpften Kindern um etwa ein Drittel gesenkt werden. Aus Südamerika wird über noch bessere Resultate berichtet. Auch wenn die unterschiedlichen Transmissionsraten und das verschiedene Alter der Kinder in den früheren Studien berücksichtigt werden, sind nach Meinung der Autoren weitere Studien zur Prüfung des SPf66-Impfstoffs unnötig.

Die Hoffnung, die Malaria mit Hilfe eines Impfstoffs in absehbarer Zeit unter Kontrolle bringen zu können, ist geschwunden. Zwar wurde die Idee, die Malaria auszurotten, bereits vor 30 Jahren aufgegeben. Jetzt scheint auch der Versuch, die Malaria wenigstens unter Kontrolle zu halten, gescheitert zu sein. Mit Unterstützung der WHO werden trotz der negativen Resultate aus Thailand weitere Studien geplant. So hofft man, mit der Impfung von noch nicht exponierten Säuglingen Häufigkeit und Schwere von Malariaerkrankungen reduzieren zu können. Die Parasiten werden weltweit immer resistenter gegen die meisten gebräuchlichen Malariamittel. Neue Medikamente sind nicht in Sicht. Die pharmazeutische Industrie ist an der Entwicklung von Medikamenten oder Impfstoffen nicht mehr interessiert, da sich damit keine fetten Gewinne machen lassen. Von Touristen und Geschäftsreisenden abgesehen, ist die Malaria vorwiegend eine Erkrankung der Armen, die jährlich über 2 Millionen Opfer fordert.

Einfache, billige und für jedermann zugängliche Methoden zum Schutz gegen Malaria müssen entwickelt werden. Ein Lichtblick in dieser Hinsicht sind die mit Insektiziden behandelten Moskitonetze. Mit einer breiten Anwendung in der betroffenen Bevölkerung kann Morbidität und Mortalität um 20 bis 50% gesenkt werden.

Benedikt Holzer

 

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