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Vitamin E schützt nicht vor Makuladegeneration

r -- Taylor HR, Tikellis G, Robman LD et al. Vitamin E supplementation and macular degeneration: randomised controlled trial.
Kommentator(in): Balder Gloor
infomed screen Jahrgang 6 (2002) , Nummer 11
Datum der Ausgabe: November 2002

Studienziele

Die altersbedingte Makuladegeneration ist die häufigste Ursache von Blindheit in hochentwickelten Ländern. Als wichtigster Risikofaktor gilt das Rauchen. In dieser Studie wurde die Wirkung von Vitamin E (alpha-Tocopherol) auf das Auftreten und den Verlauf der altersbedingten Makuladegeneration untersucht.

Methoden

In diese australische Studie wurden 55- bis 80jährige Freiwillige aufgenommen, die sich auf Inserate in der Presse gemeldet hatten. Ausgeschlossen wurde Personen mit beidseitiger Katarakt, beidseitig operierten Augen oder schweren Krankheiten. Die Teilnehmenden erhielten nach dem Zufall täglich 500 IE Vitamin E oder Placebo. Hauptendpunkt der Studie war das Auftreten von frühen Retinaveränderungen im Sinne einer Makuladegeneration. Sekundäre Endpunkte waren das Fortschreiten der Erkrankung, das Auftreten von fortgeschrittenen Veränderungen und die Abnahme der Sehfähigkeit.

Ergebnisse

1'193 Personen nahmen an der Studie teil, die durchschnittliche Beobachtungszeit betrug 4 Jahre. Frühe Veränderungen im Sinne einer altersbedingten Makuladegeneration traten in beiden Gruppen etwa gleich häufig auf, bei 8,6% in der Vitamin-E-Gruppe und bei 8,1% in der Placebogruppe. Auch der Verlauf der Erkrankung wurde durch Vitamin E nicht beeinflusst, fortgeschrittene Veränderungen wurden unter Vitamin E bei 0,8% und unter Placebo bei 0,6% registriert. Es wurden nur geringfügige unerwünschte Wirkungen beobachtet, in beiden Gruppen ähnlich häufig.

Schlussfolgerungen

Eine Schutzwirkung von Vitamin E gegen die altersbedingte Makuladegeneration konnte in dieser Studie nicht nachgewiesen werden.

Mit zunehmender Alterung ist die altersabhängige Makuladegeneration ("Age dependent Macular Degeneration", AMD) zur häufigste Erblindungsursache in entwickelten Ländern (oder Überflussgesellschaften?) geworden. Dass das Versagen von Reparaturmechanismen oxidativer Schäden auf der Ebene von Pigmentepithel und Rezeptoren Ursache oder mindestens Komponente der AMD sein könnte, ist zur Zeit eine gängige Hypothese, dass die AMD deswegen mit Antioxidantien behandelbar sein könnte, ebenfalls. Zwei diesbezügliche Studien wurde in der neuesten Zeit abgeschlossen, die ARED-Studie(1) und die hier publzierte einer Arbeitsgruppe aus Melbourne. Sie hat in einer randomisierten Placebo-kontrollierten Doppelblindstudie Wirksamkeit von Vitamin E in einer Dosierung von 500 IE pro Tag untersucht. In der Vera-Gruppe wurde damit der Serumspiegel um ungefähr 50% erhöht. Nicht ausdrücklich gesagt ist, ob die Versuchspersonen zusätzliche Medikamente absetzen mussten. Für die Studie wurden 1'204 (bis Ende der Studie blieben 1'193) Freiwillige im Alter ab 55 bis 80 Jahren rekrutiert. Auswahl und Beginn der Studie hinsichtlich Alter und Stadium der Erkrankung erscheinen sinnvoll. Zu Beginn der Untersuchung wiesen in der Behandlungsgruppe 17,5%, in der Placebo-Gruppe 18% der Probanden eine beginnende AMD, eine Spätform nur je 0,5% auf. Eine Progression im Sinne von Neuauftreten bzw. einer Verschlechterung wurde in der Vitamin-E-Gruppe im Verlaufe bei 28%, in der Placebo-Gruppe bei 22% der Probanden nachgewiesen, d.h. es zeigt sich eine erhebliche Progression, aber kein Therapieeffekt von Vitamin E.

Wenn die Studienleitung in der Behandlungsdauer von "nur" 4 Jahren die Schwäche ihrer Arbeit sieht, so muss sie sich wenigstens nicht den Vorwurf der Polypragmasie machen lassen. Mit dieser lässt uns die ARED-Studie nämlich in der Aporie, denn in den Behandlungsgruppen mit "Antioxidantien und Zink", oder "Antioxidantien allein" wurden als Antioxidantien stets Vitamin C, Vitamin E und Beta-Carotin dem Placebo gegenüber gestellt. An beiden Studien wird deutlich, in welchen Dimensionen klinische Untersuchungen notwendig sind, um in der Behandlung der AMD von Hypothesen zu verantwortbaren therapeutischen Empfehlungen zu gelangen, lässt aber auch die Frage stellen, ab wann wir welche Alterungsprozesse vielleicht doch akzeptieren müssen.

 

Standpunkte und Meinungen

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