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Immunglobuline bei Multipler Sklerose

r -- Fazekas F, Deisenhammer F, Strasser-Fuchs S et al. Randomised placebo-controlled trial of monthly intravenous immunoglobulin therapy in relapsing-remitting multiple sclerosis. Lancet 1997 (1. März); 349: 589-93
Kommentator(in): 
infomed screen Jahrgang 1 (1997) , Nummer 4
Datum der Ausgabe: April 1997

Studienziele

Die Therapie der Multiplen Sklerose mit Gammaglobulinen wurde bisher nur in unkontrollierten Studien untersucht. Die positiven Resultate dieser Untersuchungen gaben Anlass, eine randomisierte, placebokontrollierte Studie durchzuführen.

Methoden

In 13 österreichischen Neurologiezentren wurden zwischen 1992 und 1996 148 Männer und Frauen mit Multipler Sklerose (MS) in die Studie aufgenommen. Die Patienten waren 15 bis 64 Jahre alt, hatten mindestens zwei Krankheitsschübe hinter sich und wiesen neurologische Residuen auf. Eine progressive MS, vorausgegangene immunmodulatorische Therapien oder eine Steroideinnahme während den zwei Wochen vor Studienbeginn galten als Ausschlusskriterien. Die Hälfte der Beteiligten erhielt während zwei Jahren einmal monatlich intravenös Immunglobuline, die andere Hälfte erhielt Placebo-Injektionen (physiologische Kochsalzlösung). Als wichtigster Endpunkt war die Veränderung der klinisch nachweisbaren Behinderung – erfasst mittels des «Expanded Disability Status Score» nach Kurtzke – definiert. Die statistische Analyse erfolgte nach dem Intention-to-treat-Prinzip.

Ergebnisse

Nach zwei Jahren hatte sich der Kurtzke-Score in der Behandlungsgruppe statistisch signifikant verbessert, während er in der Placebogruppe zunahm. Die Häufigkeit von Krankheitsschüben war unter Therapie sowohl im Vergleich zur Placebogruppe als auch im Vergleich zu früher deutlich geringer. Keinen Unterschied fand man in bezug auf den Schweregrad der einzelnen MS-Schübe. Unerwünschte Wirkungen (Exantheme) traten bei zwei Patienten auf.

Schlussfolgerungen

Einmal monatlich intravenös verabreichte Immunglobuline vermögen nebenwirkungsarm die Progression einer schubweise verlaufenden MS zu verlangsamen. Der Wirkungsmechanismus dieser Therapie ist unklar.

Nicht nur intravenös verabreichte Immunglobuline, sondern auch zahlreiche andere Substanzen wie z.B. Interferon-Beta oder Copolymer-1 werden als «kausale» Therapie zur Beeinflussung der Gewebeschäden bei der Multiplen Sklerose eingesetzt. Es ist jedoch falsch, übertriebene Erwartungen zu wecken, da bei allen Substanzen noch zahlreiche Fragen offen sind. Intravenös verabreichte Immunglobuline reduzieren wie Interferon-Beta die Anzahl der Schübe signifikant. Magnetresonanz-Untersuchungen zur Beurteilung von Veränderungen der Plaques-Fläche im ZNS unter Therapie wurden in dieser Studie leider nicht durchgeführt. Wegen der langsamen Progression der Erkrankung müssen sich solche Studien über mehrere Jahre erstrecken. Die vorliegenden Resultate sind zwar ein Lichtblick, als definitiv können sie jedoch noch nicht gewertet werden.

Benedikt Holzer

 

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Immunglobuline bei Multipler Sklerose (April 1997)
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