Endlich verfügbar! Unser beliebter Medikamentenführer "100 wichtige Medikamente" ist sehr bald in einer neuen Ausgabe erhältlich. Bis Ende Januar 2020 können Sie das Buch zu stark reduziertem Preis bestellen.

Bestellen!

infomed-screen

Prävention durch rauchfreie Arbeitsräume

m -- Fichtenberg CM, Glantz SA. Effect of smoke-free workplaces on smoking behaviour: systematic review. BMJ 2002 (27. Juli); 325: 188-94 [Link]
Kommentator(in): Theo Abelin
infomed screen Jahrgang 6 (2002) , Nummer 10
Datum der Ausgabe: Oktober 2002

Studienziele

Anhand der verfügbaren Studien wollte man untersuchen, wie sich ein Rauchverbot am Arbeitsplatz quantitativ auf das Rauchverhalten auswirkt. Damit sollten Entscheidungshilfen für künftige Anti-Tabak-Programme gewonnen werden.

Methoden

Folgende Arten von Studien wurden in einer Metaanalyse zusammengefasst: 1. Prospektive und retrospektive Studien sowie sequentielle Querschnittsvergleiche über das Rauchverhalten der Angestellten vor und nach Einführung eines totalen Rauchverbots am Arbeitsplatz (Arbeitsplatzstudien); 2. Querschnittsvergleiche in der Bevölkerung zwischen Angestellten in Betrieben mit und ohne totales oder teilweises Rauchverbot (Bevölkerungsstudien).

Ergebnisse

Arbeitsplatz- und Bevölkerungsstudien zeigten vergleichbare Resultate. In Betrieben mit rauchfreien Arbeitsräumen rauchten von den Angestellten im Mittel 3,8% weniger. Diejenigen, die rauchten, konsumierten pro Kopf und Tag im Mittel 3,1 Zigaretten weniger. Zusammengenommen wurden pro beschäftigte Person täglich 1,3 Zigaretten weniger geraucht, was einer Reduktion von 29% entspricht. Um eine gleich grosse Reduktion des Zigarettenkonsums zu erreichen, müsste gemäss den publizierten Studienresultaten der Zigarettenpreis um 73% steigen. Hochgerechnet würde bei einer flächendeckenden Einführung von rauchfreien Arbeitsräumen der Tabakindustrie Umsatzeinbussen von $1,7 Mrd. in den USA und £310 Mio. in Grossbritannien entstehen. Ein teilweises Rauchverbot im Betrieb bringt auf Grund von 3 Bevölkerungsstudien einen etwa halb so grossen Effekt wie vollständig rauchfreie Arbeitsräume.

Schlussfolgerungen

Rauchfreie Arbeitsräume schützen nicht nur die Nichtraucher vor dem Passivrauchen, sondern bringen auch die Raucher zur Reduktion des Zigarettenkonsums und einen Teil von ihnen zum Aufhören. Quantitativ bewirkt ein Rauchverbot am Arbeitsplatz eine grössere Änderung im Rauchverhalten der berufstätigen Bevölkerung als eine mässige Erhöhung der Tabaksteuer.

Bereits 1979 meldete das Wall Street Journal aufgrund eines versehentlich bekannt gewordenen internen Berichts der Tabakindustrie, dass der in der Bevölkerung zunehmende Glaube an die Schädlichkeit des Passivrauchens die bis dahin grösste Bedrohung der Tabakindustrie darstelle.1 Das war noch vor dem Erscheinen der ersten Publikationen über den Zusammenhang zwischen Passivrauchen und Lungenkrebs und erklärt wohl die enorme Anstrengung der Zigarettenmultis, diesen Zusammenhang als unbewiesen darzustellen.2,3 Von Anfang an ging die Industrie davon aus, dass Rauchverbote den Zigarettenkonsum merklich reduzieren würden. Die nun erschienene Metaanalyse von Fichtenberg und Glantz bestätigt diese Annahme und erlaubt, die Grössenordnung des Effekts der Einführung rauchfreier Arbeitsräume abzuschätzen.

Dies sollte zukünftige Anstrengungen in 2facher Beziehung erleichtern. Einerseits wird es legitim, neben der Durchsetzung des Rechts der Nichtraucher auf unschädliche Atemluft auch die präventive Wirkung rauchfreier Räume auf die Raucher als Begründung für die Einführung rauchfreier Arbeits- und Aufenthaltsräume ins Feld zu führen, wobei dies angesichts der Tatsache, dass rund die Hälfte aller Raucher ohnehin gerne aufhören möchten, durchaus als unterstützende Massnahme für diese Raucher gesehen werden kann. Andererseits erlauben die durch die Studienverantwortlichen vorgenommenen Nutzenvergleiche, den Stellenwert von Rauchverboten im Vergleich etwa zu Preiserhöhungen abzuschätzen, und dabei erweist sich die Reduktion des Tabakkonsums durch eine bevölkerungsabdeckende Einführung rauchfreier Arbeitsplätze als eine der wirksamsten bekannten Präventionsmethoden rauchbedingter Krankheiten. Dass der Effekt bei jugendlichen Rauchern besonders deutlich ist, unterstreicht den Wert entsprechender Massnahmen zusätzlich.

 

Standpunkte und Meinungen

Es gibt zu diesem Artikel keine Leserkommentare.
infomed-screen 6 -- No. 10
Infomed Home | infomed-screen Index
Prävention durch rauchfreie Arbeitsräume (Oktober 2002)
Copyright © 2020 Infomed-Verlags-AG

med111.com

infomed-screen abonnieren

Login

Passwort anfordern

mailingliste abonnieren

infomed-screen Links
infomed-screen abonnemente
aktueller infomed-screen jahrgang
aktueller pharma-kritik jahrgang
Was bedeuten die Symbole?
rRandomisiert-kontrollierte Studie
kKohortenstudie
fFall-Kontroll-Studie
mMeta-Analyse oder systematische Ãœbersicht
aAndere Studienart