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B-Vitamine zur koronaren Prävention

r -- Schnyder G, Roffi M, Flammer Y et al. Effect of homocysteine-lowering therapy with folic acid, vitamin B12, and vitamin B6 on clinical outcome after percutaneous coronary intervention: the Swiss Heart study: a randomized controlled trial. JAMA 2002 ( [Link]
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infomed screen Jahrgang 6 (2002) , Nummer 11
Datum der Ausgabe: November 2002

Studienziele

Stenoserezidive nach einer perkutanen transluminalen Koronarangioplastie (PTCA) sind trotz Stenteinlage auch heute noch ein Problem. Homocystein gilt als unabhängiger Risikofaktor für die koronare Herzkrankheit. Mit dieser Arbeit aus dem Inselspital Bern wurde untersucht, ob eine Homocystein- senkende Behandlung kardiale Ereignisse verhindert.

Methoden

553 Personen (19% Frauen), bei denen mindestens eine Koronarstenose von 50 oder mehr Prozent erfolgreich dilatiert worden war, wurden in die Studie eingeschlossen. Nach dem Zufall erhielt die eine Gruppe täglich 1 µg Folsäure, 400 µg Vitamin B12 (Cyanocobalamin) und 10 mg Vitamin B6 (Pyridoxin), die andere Placebo. Als kombinierter Endpunkt war der Tod, ein Myokardinfarkt oder eine erneute Angioplastie innerhalb eines Jahres definiert.

Ergebnisse

Bei den 553 Kranken wurden bei Studieneinschluss insgesamt 741 Koronarstenosen dilatiert, bei 53% wurde ein Stent implantiert. Bei 29% dieser Personen war der Homocystein- Plasmaspiegel initial erhöht (>12 µmol/l). In der Interventionsgruppe lag der durchschnittliche Wert nach 6 Monaten signifikant tiefer als in der Kontrollgruppe (7,5 µmol/l gegenüber 10,1 µmol/l). Signifikant weniger Personen in der Interventionsgruppe wurden an einer der behandelten Stenosen erneut dilatiert (10% gegenüber 16%), dadurch kam es auch zu einer signifikanten Reduktion bezüglich des primären kombinierten Endpunktes (15% gegenüber 23%). Todesfälle und Myokardinfarkte waren zwar tendenziell ebenfalls seltener, die Unterschiede aber ohne Signifikanz. Bei 70 Personen konnte die Studie aus verschiedenen Gründen nicht plangemäss beendet werden; 2 Behandelte in der Interventionsgruppe setzten die Medikamente wegen Juckreiz ab.

Schlussfolgerungen

Eine Senkung des Homocysteinspiegels mit Folsäure, Vitamin B12 und Vitamin B6 verringert die Anzahl Zweit- Dilatationen nach einer PTCA.

Hier handelt es sich um eine Nachfolgestudie der Untersuchung aus Bern,1 die in der infomed-screen-Februarnummer dieses Jahres zusammengefasst war. Sie belegt, dass die günstige Wirkung einer halbjährigen Behandlung mit Folsäure+Vitamin B12+Vitamin B6 nach einer perkutanen koronaren Intervention (PCI) die Restenosierungsrate an der ursprünglichen Dilatationsstelle auch nach einem Jahr noch um signifikante 38% vermindert. Insgesamt tritt auch der kombinierte Endpunkt von Hauptereignissen signifikant weniger auf. Da es sich bei diesem "Cocktail" um eine billige und nebenwirkungsarme Therapie handelt, die ganz im Trend der heute populären Vitaminsupplementation liegt, könnte man deshalb leicht versucht sein, diese Behandlung als Standard nach PCI einzuführen. Es bleiben zwei Fragen unbeantwortet: 1. Die Studienanlage kann nicht beantworten, ob ein einzelnes Vitamin oder eine Kombination für den günstigen Therapieeffekt verantwortlich ist. 2. In der Vorstudie wurde eine signifikante Senkung der Restenosierungsrate nur nach alleiniger Ballon-PCI erreicht,1 nicht aber nach Stentimplantation. In der vorliegenden Nachfolgestudie erhalten wir dazu keine Informationen mehr. Es ist anzunehmen, dass auch in Bern die Zahl der Stentimplantationen stetig zugenommen hat, ein Trend der durch die heute verfügbaren Eluting-Stents noch verstärkt werden dürfte. Es ist deshalb fraglich, ob das damals knapp signifikante Studienergebnis (Studie 1998-1999 durchgeführt) für die heutige oder künftige Interventionstechnik noch Gültigkeit hat. Nach den vorliegenden Daten dürfte eine Verschreibung dieses Vitamincocktails somit v.a. nach alleiniger Ballon-PCI und einem gleichzeitig hohen Cholesterinwert seinen Nischenplatz finden.

 

Standpunkte und Meinungen

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B-Vitamine zur koronaren Prävention (November 2002)
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