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Schwere Depression: Johanniskraut unwirksam

r -- Shelton RC, Keller MB, Gelenberg A et al. Effectiveness of St John’s wort in major depression: a randomized controlled trial. JAMA 2001 (18. April); 285: 1978-86 [Link]
Kommentiert von: Klaus Linde
infomed screen Jahrgang 5 (2001) , Nummer 7
Datum der Ausgabe: Juli 2001

Studienziele

Johanniskrautextrakte (Jarsin® 300 u.a.) werden in grossem Ausmass zur Behandlung leicht- bis mittelgradiger Depressionen angewendet. Die entsprechenden Studien weisen aber häufig methodische Mängel auf. In der vorliegenden amerikanischen Arbeit wurde die Wirksamkeit und Sicherheit eines standardisierten Johanniskrautextraktes zur ambulanten Behandlung von Personen mit einer schweren Depression geprüft.

Methoden

Zwischen November 1998 und Januar 2000 wurden an elf Zentren initial 200 Personen in die Studie aufgenommen. Sie litten seit mindestens 4 Wochen an einer schweren Depression («Major Depression») mit einem Wert von mindestens 20 Punkten auf der «Hamilton Rating Scale for Depression» (HAM-D). Vor der Randomisierung erhielten alle für eine Woche Placebo, danach während 8 Wochen entweder täglich 900 bis 1’200 mg eines standardisierten Johanniskrautextraktes in Tablettenform (n=98) oder Placebo (n=102). Primärer Endpunkt war die Änderung des Punktewertes auf der (HAM-D); sekundäre Endpunkte betrafen Änderungen auf weiteren Symptomskalen wie z.B. «Beck Depression Inventory» (BDI) und «Hamilton Rating Scale for Anxiety». Entsprechende Untersuchungen erfolgten nach der 1. und 2. Studienwoche, danach 2wöchentlich bis zum Studienabschluss.

Ergebnisse

Gut 80% der Teilnehmenden beendeten die Studie nach der vorgesehenen 8wöchigen Behandlung. Die Werte auf der HAM-D-Skala waren nach dieser Zeit für beide Gruppen in ähnlichem Mass gesunken: unter Johanniskrautextrakt im Durchschnitt um 14,2 Punkte, unter Placebo im Durchschnitt um 14,9 Punkte. Auch die Auswertung anderer Symptomskalen ergab für die Studiendauer keine signifikanten Unterschiede zwischen beiden Gruppen. Eigentliche Remissionen (HAM-D-Wert unter 8) waren sehr selten, unter Johanniskrautextrakt aber doch häufiger (bei 14 von 98) als unter Placebo (bei 5 von 102). Kopfschmerzen waren die einzigen Nebenwirkungen, die unter Johanniskrautextrakt signifikant häufiger auftraten als unter Placebo (41% gegenüber 25%).

Schlussfolgerungen

In dieser Studie konnte keine Wirksamkeit von Johanniskrautextrakt in der Behandlung schwerer Depressionen nachgewiesen werden.(BW)

Die Qualität der Studie ist ausgezeichnet, damit erscheint dieses negative Resultat klar und verlässlich. Zwei Aspekte sind bei dieser Studie jedoch ungewöhnlich: 1. Die Studie wurde unterstützt durch einen Pharmahersteller, der kein Johanniskraut-Präparat produziert, wohl aber einen Serotoninwiederaufnahmehemmer; 2. Die Teilnehmenden litten schon längere Zeit vor Studienaufnahme an der aktuellen depressiven Episode und könnten möglicherweise ein Kollektiv darstellen, das besonders wenig auf Antidepressiva anspricht. Bevor definitive Schlüsse auf die Wirksamkeit von Johanniskraut in der Behandlung schwerer Depressionen gezogen werden, sollten die Resultate einer kürzlich fertiggestellten Studie abgewartet werden, in der Johanniskraut mit einem Serotoninwiederaufnahmehemmer und Placebo verglichen wurde.

Klaus Linde

 

Standpunkte und Meinungen

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Schwere Depression: Johanniskraut unwirksam (Juli 2001)
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