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Nebenwirkungen: umfassend aufklären

a -- Ziegler DK, Mosier MC, Buenaver M et al. How much information about adverse effects of medication do patients want from physicians? Arch Intern Med 2001 (12. März); 161: 706-13 [Link]
Kommentiert von: Urspeter Masche
infomed screen Jahrgang 5 (2001) , Nummer 5
Datum der Ausgabe: Mai 2001

Studienziele

Im Prinzip müsste man über alle Risiken einer ärztlichen Intervention aufklären. Es existieren aber keine Richtlinien, wie man dieser Forderung in einem vernünftigen Mass Rechnung tragen soll. In dieser Studie wurde untersucht, wie viel Informationen über Arzneimittel-Nebenwirkungen Patienten und Patientinnen beim Verschreiben erwarten.

Methoden

In mehreren Polikliniken eines amerikanischen Spitals wurde ein Fragebogen verteilt, und zwar an Patienten und Patientinnen, an Familienmitglieder, von denen sie begleitet wurden, an Medizinstudenten und -studentinnen sowie an Angestellte der Poliklinik, die keine medizinische Tätigkeit ausübten. Der Fragebogen befasste sich damit, welche Informationen zu Nebenwirkungen vermittelt werden sollen. Bei der ersten Frage war anzukreuzen, welche Nebenwirkungen beim Verschreiben zu erwähnen seien: (1) Alle Nebenwirkungen; (2) Nebenwirkungen mit einer Inzidenz von 1:100‘000; (3) Nebenwirkungen mit einer Inzidenz von 1:100; (4) Keine Nebenwirkungen. Die zweite Frage schloss an die erste an, indem dieselben vier Antworten zur Verfügung standen, aber noch der Schweregrad einer Nebenwirkung miteinbezogen wurde. Weitere Fragen beschäftigten sich damit, ob es gerechtfertigt sei, bei der Information individuelle Unterschiede zu machen.

Ergebnisse

Von den 2’500 Befragten wünschten 76% über alle Nebenwirkungen, 83% über alle schweren Nebenwirkungen informiert zu werden. Nur 0,4% wollten überhaupt nichts von Nebenwirkungen wissen. Der Wunsch nach vollumfänglicher Information wurde am häufigsten geäussert von älteren Frauen, von Personen mit niedrigerem Ausbildungsgrad sowie von solchen, die schon Nebenwirkungen erfahren hatten. Über zwei Drittel der Befragten meinten, dass alle Patientinnen und Patienten dieselben Informationen erhalten sollten und dass Ärztinnen und Ärzte keine Informationen zurückbehalten dürften.

Schlussfolgerungen

Die meisten Leute möchten über Nebenwirkungen allumfassend aufgeklärt werden, wobei sie es möglichst wenig dem Urteil der Ärztin oder des Arztes überlassen wollen, welche Information geliefert wird.(UM)

Die Botschaft dieser Studie ist klar: Patientinnen und Patienten wollen über Arzneimittel-Nebenwirkungen detailliert Bescheid wissen. Wenn sie die Informationen nicht von den Ärztinnen und Ärzten erhalten, werden sie andere Quellen beanspruchen, die heute zur Verfügung stehen, zum Beispiel das Internet. Verschiedene Bedürfnisse treten sich entgegen: diejenigen der Patientinnen und Patienten, die – ohne verunsichert zu werden – über die Risiken mitreden wollen, denen sie sich aussetzen; und diejenigen der Ärztinnen und Ärzte, denen nicht unbeschränkt Zeit zur Verfügung steht. Damit der Dialog als partnerschaftlich erlebt wird, sollte beim Verschreiben eines Medikamentes mindestens darauf eingegangen werden, welche Nebenwirkungen häufig oder gefährlich sind und auf welche wichtigen Warnsymptome zu achten ist; daraus wird sich dann im Einzelfall ergeben, welche Angaben zu den weiteren, weniger bedeutenden Nebenwirkungen gewünscht sind.

Urspeter Masche

 

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Nebenwirkungen: umfassend aufklären (Mai 2001)
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