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Darmkrebs: erfolgreiche Früherkennung

r -- Mandel JS, Church TR, Bond JH et al. The effect of fecal occult-blood screening on the incidence of colorectal cancer. N Engl J Med 2000 (30. November); 343: 1603-7 [Link]
Kommentiert von: Dominique H. Criblez
infomed screen Jahrgang 5 (2001) , Nummer 2
Datum der Ausgabe: Februar 2001

Studienziele

In früheren Studien wurde gezeigt, dass regelmässige Stuhluntersuchungen auf okkultes Blut (Hämoccult II® u.a.) die Mortalität an Darmkrebs reduzieren. Es ist anzunehmen, dass diese Untersuchungen auch die Inzidenz von Darmkrebs vermindern, weil bei einem positiven Testausfall eine Koloskopie durchgeführt wird, bei der Präkanzerosen wie adenomatöse Polypen entfernt werden. Die «Minnesota Colon Cancer Control Study» zeigte nach 13 Jahren eine
nicht-signifikante Verminderung der Darmkrebs-Inzidenz um 12%. Hier werden die Ergebnisse dieser Studie nach 18 Jahren präsentiert.

Methoden

In die Studie wurden zwischen 1975 und 1978 46’445 Personen im Alter zwischen 50 bis 80 Jahren aufgenommen und in 3 Gruppen eingeteilt: in der Gruppe 1 wurde jährlich nach okkultem Blut im Stuhl gesucht, in der Gruppe 2 erfolgte die Suche alle 2 Jahre und in der Gruppe 3 (Kontrollen) wurden keine solchen Untersuchungen vorgenommen. Die Suche nach okkultem Blut wurde zwischen 1976 und 1982 und nochmals zwischen 1986 und 1992 durchgeführt. Wenn jeweils in einer von sechs Stuhlproben Blut gefunden wurde, so wurden die Personen zur weiteren Abklärung aufgeboten, anfangs zu einem
Kontrastmitteleinlauf, später zur Koloskopie. Alle Polypen wurden koloskopisch entfernt. Todesfälle und die Inzidenz von Kolonkarzinomen wurden bis ins Jahr 2000 verfolgt.

Ergebnisse

In der Beobachtungszeit von 18 Jahren starben insgesamt 15‘873 Personen, über deren Gruppenzugehörigkeit jedoch keine Angaben gemacht werden. In der Gruppe 1 mit jährlichen Stuhlkontrollen nahmen 75%, in der Gruppe 2 (Kontrollen jedes 2. Jahr) 78% an allen Untersuchungen auf okkultes Blut teil. Gut 80% der Personen mit positiven Stuhltesten unterzogen sich den Nachfolgeuntersuchungen. In der Gruppe 1 wurden 417 kolorektale Karzinome festgestellt, in der Gruppe 2 waren es 435 und in der Kontrollgruppe 507. Im Vergleich mit der Kontrollgruppe betrug die kumulative Inzidenz von Kolonkarzinomen in den getesteten Gruppen nur 0,8 bzw. 0,83 – in diesen Gruppen wurden also signifikant weniger Karzinome manifest als in der Kontrollgruppe.

Schlussfolgerungen

Bei Personen, die einer regelmässigen Untersuchung des Stuhls auf okkultes Blut unterzogen werden, treten signifikant weniger kolorektale Karzinome auf.(PG)

Das Screening auf okkultes Blut senkt die Mortalität des kolorektalen Karzinoms nicht allein zufolge einer früheren Diagnosestellung, sondern zusätzlich dank einer echten Reduktion der Karzinominzidenz. Dies beruht darauf, dass adenomatöse Polypen als Vorläuferläsionen entfernt werden und fügt sich nahtlos ein in eine Fülle früherer Daten, die den Nutzen des Screenings ebenso wie der systematischen koloskopischen Polypektomie belegen. Trotzdem bleibt die Wahl der optimalen Screening-Methode (Suche von okkultem Blut im Stuhl? Mit oder ohne Sigmoidoskopie? Oder Koloskopie?) offen!

Dominique H. Criblez

1    Woolf SH. The best screening test for colorectal cancer - A personal choice. N Engl J Med 2000 (30. November); 343: 1641-3

 

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