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Blutungsrisiko unter Acetylsalicylsäure

m -- Derry S, Loke YK. Risk of gastrointestinal haemorrhage with long term use of aspirin: meta-analysis. BMJ 2000 (11. November); 321: 1183-7 [Link]
Kommentator(in): Matthias Egger
infomed screen Jahrgang 5 (2001) , Nummer 1
Datum der Ausgabe: Januar 2001

Studienziele

Der Nutzen der Acetylsalicylsäure in der Langzeitprophylaxe kardiovaskulärer Krankheiten ist bekannt. Bekannt ist aber auch, dass Acetylsalicylsäure gastrointestinale Blutungen verursachen kann. In dieser Metaanalyse wurden neuere Daten, eine niedrigere Dosierung und Magen-Darm-schonende galenische Formen von Acetylsalicylsäure berücksichtigt.

Methoden

Es wurden nur Studien berücksichtigt, die folgenden Kriterien genügten: randomisierter, kontrollierter Vergleich von Acetylsalicylsäure als Plättchenhemmer mit Placebo; mindestens 50 Personen in jeder Gruppe; Studiendauer mindestens 12 Monate; Daten über gastrointestinale Blutungen in jeder Gruppe vorhanden. Die Suche nach Primärstudien erfolgte in den grossen Datenbanken Medline und Embase sowie anhand von Literaturlisten publizierter Arbeiten.

Ergebnisse

24 Studien entsprachen den Vorgaben. Von den 65’987 Personen waren 74% Männer. Acetylsalicylsäure wurde in einer Dosis von 50 bis 1’500 mg/Tag während durchschnittlich 28 Monaten gegeben. Gastrointestinale Blutungen traten unter Acetylsalicylsäure bei 2,5%, unter Placebo bei 1,4% der Personen auf. Mit einer gastrointestinalen Blutung ist zu rechnen, wenn 106 Personen während 28 Monaten mit Acetylsalicylsäure behandelt werden. Dieses Risiko ist nicht signifikant kleiner, wenn niedrigere Acetylsalicylsäuredosen verwendet werden. Unter Tagesdosen von 50 bis 162,5 mg traten bei 2,3% gastrointestinale Blutungen auf. In 5 Studien mit 4’298 Personen wurden spezielle galenische Formen von Acetylsalicylsäure gebraucht, wobei Blutungen bei 1,9% auftraten.

Schlussfolgerungen

Eine Langzeitbehandlung mit Acetylsalicylsäure, auch in niedriger Dosierung, verursacht bei 2,5% der Behandelten eine gastrointestinale Blutung. Aus den Zahlen dieser Metaanalyse lässt sich schätzen, dass jährlich eine solche Blutung auf 248 Behandelte auftritt. Die Zahl der Personen, die ein Jahr lang behandelt werden müssen, um einen bestimmten Nutzen zu erreichen, liegt zwischen 106 (Hirnschlagprävention) und wenigstens 550 (Herzinfarktprävention). Diese Ereignisse stellen jedoch in der Regel eine grössere Gefahr dar als die von Acetylsalicylsäure verursachten Magenblutungen.(PG)

Die Metaanalyse ist «state-of-the-art», bei der Interpretation der Resultate ist allerdings Vorsicht am Platz. Es wurde nicht zwischen leichteren Episoden von Hämatemesis oder Melaena und lebensbedrohlichen Blutungen unterschieden, weil dies in den Originalarbeiten nicht in standardisierter Weise angegeben wurde. Wie Martin Tramèr in seinem Editorial darlegt,1 ist das Risiko von schweren Blutungen deutlich niedriger (unter 1%) und wahrscheinlich doch dosisabhängig. Vergessen wir nicht, dass Metaanalysen letztlich beobachtende Studien publizierter Resultate und deshalb auf Verzerrungen und Bias anfällig sind. Eine grosse randomisierte Studie, in der verschiedene Acetylsalicylsäuredosen verglichen werden, ist notwendig, um die Frage der Dosisabhängigkeit gastrointestinaler Blutungen endgültig zu klären.

Matthias Egger

1    Tramèr MR. Aspirin, like all other drugs, is a poison. BMJ 2000 (11. November); 321:1170-1

 

Standpunkte und Meinungen

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Blutungsrisiko unter Acetylsalicylsäure (Januar 2001)
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