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Bescheidener Nutzen von Mukolytika

m -- Poole PJ, Black PN. Oral mucolytic drugs for exacerbations of chronic obstructive pulmonary disease. BMJ 2001 (26. Mai); 322: 1271-4 [Link]
Kommentiert von: Peter Ritzmann
infomed screen Jahrgang 5 (2001) , Nummer 9
Datum der Ausgabe: September 2001

Studienziele

Ein Teil der an einer chronisch-obstruktiven Lungenkrankheit (COLK) Erkrankten erleidet wiederholt Exazerbationen mit verstärkten Atembeschwerden und vermehrtem oder purulentem Sputum. Diese Episoden können die Lebensqualität stark beeinträchtigen und zu Hospitalisationen führen. Mukolytika wie Acetylcystein (Fluimucil® u.a.) vermindern die Viskosität oder die Hypersekretion. Teilweise wirken sie auch als Antioxidantien. Ihr Nutzen zur Verminderung von Exazerbationen bei der COLK ist bis heute umstritten.

Methoden

Es handelt sich um eine aktualisierte systematische Review aus der Cochrane Library. In die Analyse wurden placebokontrollierte Doppelblindstudien aufgenommen, in denen Mukolytika bei Personen mit chronischer Bronchitis oder COLK untersucht worden waren. Als primärer Endpunkt wurde die Anzahl Exazerbationen während der Studiendauer gewählt. Zur Suche verwendet wurde das Register der «Cochrane Airways Group».

Ergebnisse

Von 27 Studien, die den Einschlusskriterien genügten, berücksichtigten 23 den primären Endpunkt und wurden in eine Metaanalyse aufgenommen. In 12 Studien war Acetylcystein verwendet worden, in 3 Carbocistein (Rhinathiol® u.a.) und in 2 Ambroxol (Mucosolvon® u.a.). Die übrigen waren Einzelstudien mit in der Schweiz nicht erhältlichen Medikamenten. Es bestand eine erhebliche Heterogenität vor allem bezüglich der Präzision der Studienresultate, die nur teilweise (z.B. mit dem unterschiedlichen maximalen Atemsekundenvolumen der Untersuchten) erklärt werden konnte. Exazerbationen waren in den Studien häufig (hochgerechnet 2,7 pro Person und Jahr in den Kontrollgruppen). Mukolytika reduzierten Exazerbationen signifikant um 0,07 pro Person und Monat, was einer Reduktion von 29% entspricht. Damit eine zusätzliche Person die ganze Studiendauer (meist 3 oder 6 Monate) ohne Exazerbation blieb, mussten 6 Personen behandelt werden. Die Analyse zeigte keine augenfälligen Unterschiede in der Wirksamkeit zwischen den verschiedenen Mukolytika.

Schlussfolgerungen

Mit dieser Metaanalyse lässt sich ein kleiner, aber signifikanter Effekt der Mukolytika auf die Häufigkeit von Exazerbationen bei Personen mit einer chronisch-obstruktiven Lungenkrankheit zeigen.(PR)

Die aktualisierte Version dieser Cochrane Review entspricht dem heutigen Wissensstand in der Frage, ob mit dem prophylaktischen Einsatz von Mukolytika Exazerbationen einer chronisch-obstruktiven Lungenkrankheit verhindert werden können. Der errechnete kleine, aber signifikante Effekt entspricht etwa dem Resultat einer systematischen Review einer Schweizer Gruppe aus dem letzten Jahr, die sich auf Studien mit Acetylcystein beschränkt hatte.1 Ein Problem haben beide Arbeiten: die Studien sind teilweise alt und als Einschlusskriterium wurde früher meistens eine chronische Bronchitis gewählt. Aufgrund der häufigen Exazerbationen in den Kontrollgruppen können wir vermuten, dass die Untersuchten eher an fortgeschrittenen Erkrankungen litten. Personen mit häufigen Exazerbationen profitieren wohl auch am ehesten von einer Behandlung z.B. während den Wintermonaten.

Peter Ritzmann

1     Stey C, Steurer J, Bachmann S et al. The effect of oral N-acetylcysteine in chronic bronchitis: a quantitative systematic review. Eur Respir J 2000 (16. Aug); 16: 253-62

 

Standpunkte und Meinungen

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