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Mononukleose: erhöhtes Risiko für Morbus Hodgkin

k -- Hjalgrim H, Askling J, Sorensen P et al. Risk of Hodgkin’s disease and other cancers after infectious mononucleosis. J Natl Cancer Inst 2000 (20. September); 92: 1522-8 [Link]
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infomed screen Jahrgang 4 (2000) , Nummer 10
Datum der Ausgabe: November 2000

Studienziele

Die Mononukleose, verursacht durch das Epstein-Barr-Virus (EBV), wird mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung eines Morbus Hodgkin assoziiert. Über die zeitlichen Zusammenhänge zwischen den beiden Erkrankungen ist allerdings nicht viel bekannt. Auch wurde das Risiko, nach einer Mononukleose an einer anderen Krebsart zu erkranken, bislang wenig erforscht. Mit dieser Studie wird versucht, diese Fragen zu klären.

Methoden

Die analysierten Daten stammen aus den Gesundheitsregistern von Dänemark und Schweden und wurden zwischen 1943 und 1995 erhoben. Die untersuchten Kohorten umfassten 38’562 Personen mit einer Mononukleose. Die Kohorte in Schweden wurde zwischen 1964 und 1995, diejenige in Dänemark zwischen 1968 und 1995 hinsichtlich des Auftretens von Krebs beobachtet. Errechnet wurden standardisierte Inzidenzraten (SIR) für alle registrierten Krebsarten. SIR entspricht der Häufigkeit von diagnostizierten Krebsfällen, dividiert durch die geschätzte Basisrate von Krebsfällen in einer Population.

Ergebnisse

Insgesamt traten 1‘381 Fälle von Krebserkrankungen auf; die geschätzte Zahl für die Beobachtungszeit betrug 1’342 Fälle (SIR=1,03; 95% CI 0,98-1,09). Abgesehen von einer Fallhäufung im ersten Jahr nach einer Mononukleose entspricht die Anzahl diagnostizierter Tumoren der Erwartung. 46 Fälle von Hodgkin-Krankheit wurden diagnostiziert – im Vergleich zu nur 18 erwarteten (SIR=2,55; 95% CI 1,87-3,40). Obwohl dieses Risiko im Laufe der Zeit abnahm, blieb es bis 20 Jahre nach der Infektion signifikant erhöht. Im Vergleich mit anderen Altersgruppen war das Risiko für die Entwicklung eines Hodgkin-Lymphoms für Personen, die im Alter zwischen 15 und 34 an einer Mononukleose erkrankten, signifikant höher (SIR=3,66; CI 95% 1,57-8,55). Hautkrebse (Melanome, andere Hautkrebsarten) wurden bei 291 Personen beobachtet, statistisch signifikant häufiger als erwartet (SIR=1,27; 95% CI 1,13-1,43).

Schlussfolgerungen

Personen mit einer Mononukleose haben während den auf die Erkrankung folgenden 2 Jahrzehnten ein erhöhtes Risiko, an einem Hodgkin-Lymphom zu erkranken. Bei jungen Erwachsenen ist dieses Risiko etwa um das 3fache erhöht. Mit Ausnahme eines mässig erhöhten Risikos für Hautkrebs konnten keine Zusammenhänge zwischen einer Mononukleose und anderen Krebsarten festgestellt werden.(AL)

Diese sehr interessante Arbeit untersucht das Tumorrisiko bei 38‘562 Personen mit vorausgegangenem EBV-Infekt. Bemerkenswert ist das signifikant erhöhte Hodgkin-Risiko nach einem EBV-Infekt, das zwar mit der Zeit abnimmt, aber über 20 Jahre andauert. Die Tatsache häufiger hoher EBV-Antikörper-Titer bei Lymphomkranken passt gut zu dieser Beobachtung. Die erhöhte Inzidenz maligner Hauttumoren überrascht ebenfalls nicht, da ja gerade die Biologie des Melanoms besonders stark von immunologischen Vorgängen im Wirtsorganismus abhängt.

Peter Forrer

 

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Mononukleose: erhöhtes Risiko für Morbus Hodgkin (November 2000)
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