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Langzeitfolgen nach Prostatektomie

a -- Stanford JL, Feng Z, Hamilton AS et al. Urinary and sexual function after radical prostatectomy for clinically localized prostate cancer. The Prostate Cancer Outcomes Study (PCOS). JAMA 2000 (19. Januar); 283: 354-60 [Link]
Kommentiert von: Dietegen Pestalozzi
infomed screen Jahrgang 4 (2000) , Nummer 3
Datum der Ausgabe: März 2000

Studienziele

Bei Patienten, bei denen wegen eines Prostatakarzinoms eine radikale Prostatektomie durchgeführt worden ist, tritt häufig eine Inkontinenz oder eine erektile Dysfunktion auf. In der vorliegenden Studie wurde untersucht, wie häufig solche Komplikationen vorkommen.

Methoden

In den Krebsregistern von 6 Regionen der USA wurden 1‘291 Männer im Alter zwischen 39 bis 79 Jahren identifiziert, bei denen ein Prostatakarzinom diagnostiziert und deswegen  eine radikale Prostatektomie durchgeführt worden war. Zum grössten Teil handelte es sich um Tumor-Frühstadien ohne Fernmetastasierung. Sechs Monate nach Diagnosestellung erhielten die Patienten einen Fragebogen zu Miktionsbeschwerden und Veränderungen der Sexualfunktion vor und nach der Operation. 12 und 24 Monate nach Diagnosestellung wurde jeweils nochmals ein Fragebogen versandt; diese Daten konnten noch bei 1‘042 Männern erhoben werden.

Ergebnisse

78% der Männer berichteten über eine intakte Blasenfunktion vor der Operation; 6 Monate später war dies nur bei 21%, 24 Monate später bei 32% der Fall. Zwei Jahre nach dem Eingriff klagten 40% der Männer über eine gelegentliche, 7% über eine häufige Inkontinenz; zwischen 1 und 2% gaben an, dass sie die Kontrolle über die Blasenfunktion verloren hätten. Präoperativ litten knapp 3% der Patienten, nach 2 Jahren etwa 9% in wesentlichem Mass unter einer Inkontinenz. Bezüglich Sexualfunktion ergab sich folgendes: Vor der Operation hatten 73% der Männer eine ausreichende Erektion, die in 45% der Fälle auch genügend lange anhielt; nach 2 Jahren lagen diese Prozentzahlen bei 19% bzw. 7%. Durch die Operation stieg die Zahl der Patienten, die ihre Sexualfunktion als erheblich beeinträchtigt ansahen, von 18 auf 42%. Je älter die Patienten waren, desto  häufiger oder schwerwiegender waren die urogenitalen Probleme. Dennoch würden sich 72% erneut für eine radikale Prostatektomie entscheiden.

Schlussfolgerungen

Die radikale Prostatektomie weist eine beträchtliche Langzeitkomplikationsrate auf, sowohl was die Inkontinenz als auch was die sexuellen Funktionen betrifft. Trotzdem ist eine Mehrzahl der Männer mit dem Resultat zufrieden.

Die Studie ist nicht prospektiv angelegt: Die «Baseline»-Daten wurden sechs Monate nach Diagnosestellung erhoben. Es fehlt eine genauere Analyse der Unzufriedenen: Sind dies diejenigen Patienten, die ein pathologisches Stadium aufwiesen, sind dies die Älteren, sind dies die Patienten mit einem Rezidiv usw. Interessant wäre ein Vergleich mit einem Kollektiv von Männern ohne Prostatakarzinom einerseits, andererseits mit Patienten, die eine andere Therapie gewählt haben.

Dietegen Pestalozzi

 

Standpunkte und Meinungen

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Langzeitfolgen nach Prostatektomie (März 2000)
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