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Hepatitis C verläuft meistens gutartig

k -- Thomas DL, Astemborski J, Rai RM et al. The natural history of hepatitis C virus infection: Host, viral, and environmental factors. JAMA 2000 (26. Juli); 284: 450-6 [Link]
Kommentiert von: Manuel Battegay
infomed screen Jahrgang 4 (2000) , Nummer 8
Datum der Ausgabe: September 2000

Studienziele

Man schätzt, dass weltweit ungefähr 170 Millionen Menschen mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) infiziert sind. Bei 15% der Betroffenen wird mit einem vollständigen Verschwinden der Viren im Blut gerechnet. Ein grosser Teil der Virenträger zeigen langfristig keinerlei Tendenz, eine progressive Leberschädigung zu entwickeln. Alkoholkonsum, Ansteckung in höherem Alter durch Bluttransfusionen und gleichzeitiger Befall mit HIV oder Hepatitis-B-Viren scheinen diese Wahrscheinlichkeit jedoch zu erhöhen. Um den Verlauf einer Hepatitis-C-Infektion näher zu ergründen, wurden Personen, die eine Hepatitis-C-Infektion durch intravenösen Drogenkonsum akquiriert hatten, während 10 Jahren beobachtet.

Methoden

In halbjährlichem Turnus wurden 1’667 HCV-positive Personen medizinisch befragt und kontrolliert, wobei die Leberenzyme ab dem 5. Jahr regelmässig gemessen wurden. Als virenfrei wurden Personen bezeichnet, die bei 2 aufeinanderfolgenden Laboruntersuchungen im Abstand von mindestens 5 Monaten keine HCV-RNA aufwiesen. Als Beweis einer Leberschädigung im Endstadium wurde das Vorhandensein von Ösophagusvarizen, Aszites und hepatischer Enzephalopathie gefordert.

Ergebnisse

Die Kohorte konnte während fast 9 Jahren (Medianwert) beobachtet werden. Bei 40 Personen kam es zu einer fortgeschrittenen Lebererkrankung, 35 davon starben. Diese Todesfälle entsprechen weniger als 10% der Gesamttodesfälle in der Kohorte, die eine hohe HIV-Prävalenz aufwies. Im Vergleich mit Jüngeren hatten Personen über 38 und solche mit einem höheren Alkoholkonsum (mehr als 260 g/Woche) ein stark erhöhtes Risiko einer fortgeschrittenen Lebererkrankung.

Bei einer Subgruppe von 919 Personen wurden die Virustiter überwacht: 5% wurden HCV-RNA-frei, 79% blieben Virenträger und bei 16% ergaben sich variable Resultate (Re-Infektion?).

Schlussfolgerungen

Eine Mehrzahl der Hepatitis-C-Infizierten bleiben Virenträger, entwickeln jedoch nie eine klinisch manifeste Lebererkrankung.(FT)

Diese Studie bestätigt aufgrund der relativ geringen Anzahl diagnostizierter «end stage liver disease» frühere Longitudinalstudien, die dokumentieren, dass die Prognose einer Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus, wenigstens für die ersten zehn Jahre, überraschend gut ist. Unterschiede der Perzeption ergeben sich für ein spezialisiertes Zentrum aufgrund eines Selektions- und Zuweisungsbias, z.B. würde in dieser Studie bei Zuweisung der 40 Kranken mit fortgeschrittener Hepatopathie in ein Zentrum eine pessimistischere Optik entstehen. Da die Infektion und Leberentzündung sehr häufig persistieren, sollte eine kombinierte Therapie für eine chronische Hepatitis C auch bei Drogenabhängigen erwogen werden, bevor es zu einer Zirrhose gekommen ist.

Manuel Battegay


 

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