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Frühe Interferonbehandlung verbessert Prognose einer Multiplen Sklerose

r -- Jacobs LD, Beck RW, Simon JH et al. Intramuscular interferon beta-1a therapy initiated during a first demyelinating event in multiple sclerosis. N Engl J Med 2000 (28.September); 343: 898-904 [Link]
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infomed screen Jahrgang 4 (2000) , Nummer 10
Datum der Ausgabe: November 2000

Studienziele

Die Behandlung von Personen mit einer etablierten Multiplen Sklerose (MS) mit Interferon-beta kann die Zunahme der Behinderung verlangsamen, die Häufigkeit von Schüben und die Bildung von Demyelinisierungsherden in der Magnetresonanz-Untersuchung reduzieren. In dieser Doppelblindstudie wurde untersucht, ob die Interferonbehandlung nach dem ersten Schub das Auftreten eines zweiten Schubes verhindern kann.

Methoden

Die Studie wurde 1996 bis 1998 an 50 Zentren in den USA und in Kanada durchgeführt. Aufgenommen wurden Personen mit der ersten isolierten neurologischen Störung, die mit einer Demyelinisation im Bereich des Sehnervs, des Myelons, des Hirnstammes oder des Kleinhirns vereinbar war. Die Kranken mussten in der initialen Magnetresonanz-Untersuchung mindestens zwei 3 mm messende stumme Demyelinisierungsherde aufweisen. Zunächst wurden alle während zwei Wochen mit Kortikosteroiden behandelt. Ab der zweiten Woche erhielten 193 Kranke wöchentlich 30 mg Interferon-beta-1a (Avonex®) intramuskulär und 190 Placebo-Injektionen. Primärer Endpunkt war die Entwicklung einer definitiven MS, d.h. das Auftreten eines zweiten Schubes oder die Progression der ursprünglichen Symptome. Zusätzliche Magnetresonanz-Untersuchungen wurden nach 6, 12 und 18 Monaten durchgeführt.

Ergebnisse

Innerhalb von drei Jahren entwickelten in der Interferongruppe 35%, in der Placebogruppe 59% eine definitive MS, meistens durch einen zweiten Schub. Eine progrediente Verschlechterung wurde lediglich bei 2 Kranken der Interferon- und bei 3 der Placebogruppe festgestellt. Nach 18 Monaten hatte in der Magnetresonanz-Untersuchung das Volumen der Hirnläsionen in der Interferongruppe um 1%, in der Placebogruppe um 16% zugenommen, in der Interferongruppe zeigten sich 67% weniger aktive Herde. Grippeähnliche Symptome waren in der aktiv behandelten Gruppe signifikant häufiger (54% gegen 26%), Depressionen traten bei den aktiv Behandelten knapp signifikant häufiger auf (20% gegenüber 13%).

Schlussfolgerungen

Bei Personen mit einem ersten demyelinisierenden Schub und bereits bestehenden Demyelinisierungsherden in der Magnetresonanz-Untersuchung verzögert die Behandlung mit Interferon-beta-1a das Auftreten eines zweiten Schubes und von aktiven Herden. Dass der Langzeitverlauf einer Multiplen Sklerose verbessert wird, kann vermutet, mit dieser Studie aber noch nicht bewiesen werden.(PK)

In der vorliegenden und in einer weiteren Studie konnte gezeigt werden,1 dass Interferon-beta-1a bei der Erstmanifestation einer MS die Entwicklung eines weiteren Schubes verzögert und das Ausmass der demyelinisierten Hirnläsionen reduziert. Ob Surrogat-Endpunkte geeignet sind, eine Aussage über die langfristige Entwicklung von Schubhäufigkeit, Progression der Erkrankung und Invalidität zu erlauben, scheint immer mehr fraglich zu sein. In den bisher durchgeführten Studien wurden nur wenige Kranke und höchstens 3 Jahre lang beobachtet. Obwohl die Krankenkassen in der Schweiz neu ab Oktober 2000 die Kosten für Interferon-beta-1a bereits bei einem ersten auf MS hochverdächtigen Schub übernehmen, sind sich die meisten Neurologen in der Schweiz einig, dass es auf Grund der vorliegenden Daten verfrüht ist, generell eine Interferon-beta-1a-Therapie bei einer Erstmanifestation in die Wege zu leiten.

Benedikt Holzer

1     Comi G, Filippi M, Barkhof F et al. Interferon beta 1a (Rebif®) in patients with acute neurological syndromes suggestive of multiple sclerosis: a multi center randomized , double-blind, placebo-controlled study. Neurology 2000; 54 (suppl 3): A85-A86

 

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