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Brustkrebs vor der Menopause: Östrogene supprimieren!

r -- Klijn JG, Beex LV, Mauriac L et al. Combined treatment with buserelin and tamoxifen in premenopausal metastatic breast cancer: a randomized study. J Natl Cancer Inst 2000 (7. Juni); 92: 903-11 [Link]
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infomed screen Jahrgang 4 (2000) , Nummer 7
Datum der Ausgabe: August 2000

Studienziele

Für Frauen, die in der Prämenopause an einem metastasierenden Mammakarzinom erkranken, stellt die Ovarektomie eine bewährte Behandlung dar. Alternativ kommt die Verabreichung eines LHRH-Agonisten oder des Antiöstrogens Tamoxifen (Nolvadex® u.a.) in Frage. In dieser Studie wurde untersucht, ob sich die Kombination eines LHRH-Agonisten mit Tamoxifen gegenüber der alleinigen Therapie mit einer dieser beiden Substanzen unterscheidet.

Methoden

Die Studie umfasste 161 prämenopausale Frauen mit einem metastasierenden oder lokal fortgeschrittenen Mammakarzinom, das positive Östrogen- oder Progesteronrezeptoren aufwies. Die Patientinnen wurden nach Zufallsprinzip in drei Gruppen unterteilt: Die erste erhielt ein subkutan verabreichtes Buserelin-Präparat (Suprefact® Depot zu 6,6 mg, 6- bis 8wöchentlich), die zweite Tamoxifen (40 mg/Tag) und die dritte die beiden Mittel zusammen. In regelmässigen Abständen fanden Kontrolluntersuchungen statt.

Ergebnisse

Die mediane Beobachtungszeit betrug 7,3 Jahre. 122 der 161 Patientinnen starben im Verlauf der Studie. Die Kombinationsbehandlung führte zu einer höheren Rate an vollständigen oder partiellen Remissionen als die Monotherapien. In der Buserelin-/Tamoxifen-Gruppe betrugen die Medianwerte für das Intervall ohne Tumorprogression 9,7 Monate und für die Überlebenszeit 3,7 Jahre. In der Buserelin-Gruppe waren es 6,3 Monate und 2,5 Jahre, in der Tamoxifen-Gruppe 5,6 Monate und 2,9 Jahre. Bei den Frauen, die Buserelin allein oder zusammen mit Tamoxifen erhielten, sanken die Östradiolspiegel innerhalb von sechs Wochen nach Therapiebeginn auf Werte, wie man sie in der Postmenopause misst; in der Tamoxifen-Gruppe stiegen sie dagegen auf das 3- bis 4fache an.

Schlussfolgerungen

Die Kombination eines LHRH-Agonisten mit Tamoxifen verzögert die Tumorprogression und verlängert die Überlebenszeit signifikant besser als eine Monotherapie mit einer der beiden Substanzen.

Endlich: Die prospektiv randomisierte Drei-Arm-Studie zeigt eine klare Überlegenheit der Kombination LHRH-Agonist plus Tamoxifen gegenüber der Monotherapie mit diesen beiden Substanzen beim Mammakarzinom – ein Ergebnis, das angesichts der massiven Östradiolstimulation durch Tamoxifen bei Frauen in der Prämenopause niemanden überrascht. Nur schade, dass Tamoxifen immer wieder ohne Berücksichtigung des menopausalen Status rezeptiert wird. Niemand weiss, was mit der Tumorzelle unter der Östradiolschwemme passiert. Ich denke in diesem Zusammenhang an den ebenfalls seit Jahrzehnten bekannten «Absetzeffekt», d.h. an die erneute Tumorregredienz nach Absetzen von Tamoxifen. Dieses Mittel hat eben zwei Seiten, eine antiöstrogene und eine östrogene. Auf Grund der bisherigen Daten muss bei Patientinnen in der Prämenopause vor einer Tamoxifenbehandlung eine Ovarektomie durchgeführt oder die Östrogenproduktion medikamentös supprimiert werden. Auf eine begleitende Thromboembolie-Prophylaxe bei entsprechend disponierten Frauen ist ebenfalls zu achten.

Peter Forrer

 

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