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Keine Krebshäufung nach Radiojod

k -- Franklyn JA, Maisonneuve P, Sheppard M et al. Cancer incidence and mortality after radioiodine treatment for hyperthyroidism: a population-based cohort study. Lancet 1999 (19. Juni); 353: 2111-5 [Link]
Kommentator(in): 
infomed screen Jahrgang 3 (1999) , Nummer 7
Datum der Ausgabe: August 1999

Studienziele

Ob zwischen der Radiojodtherapie einer Hyperthyreose und Krebserkrankungen eine Beziehung besteht, ist trotz verschiedenen kleineren Studien unklar. Im Rahmen einer britischen Kohortenstudie wurde diese Frage nun erneut aufgerollt.

Methoden

Ausgewertet wurden die Daten von 7’417 Personen, welche zwischen 1950 und 1991 in Birmingham (England) wegen einer Schilddrüsenüberfunktion mit Radiojod behandelt worden waren. Mit Hilfe des nationalen Statistikamtes konnte die Krebsinzidenz und -mortalitätsrate dieser Personen zwischen 1971 und 1991 ermittelt werden. Verglichen wurden diese Zahlen mit der durchschnittlichen Krebsinzidenz und -mortalitätsrate für England und Wales gemäss onkologischen Statistiken und der WHO-Datenbank. Dies erlaubt Rückschlüsse auf die Krebsentwicklung nach einer Radiojodtherapie.

Ergebnisse

In der Gruppe der mit Radiojod Behandelten wurden 634 Krebsfälle festgestellt. Durchschnittlich wären 761 Karzinome zu erwarten gewesen. Nach der Radiojodtherapie wurden 448 krebsbedingte Todesfälle beobachtet. Durchschnittlich wären 499 Krebstote zu erwarten gewesen. In der behandelten Gruppe war also die Krebsmortalität um 10% niedriger als im Durchschnitt. Bei den Behandelten fanden sich signifikant weniger Pankreas-, Lungen-, Harnblasenkarzinome sowie Malignome des lymphatischen und blutbildenden Systems. Die Mortalitätsrate dieser Karzinome war ebenfalls etwas kleiner als in der Durchschnittsbevölkerung. Schilddrüsenkarzinome waren hingegen nach der Radiojodtherapie fast dreimal, Dünndarmkarzinome sogar siebenmal häufiger.

Schlussfolgerungen

Nach der Radiojodtherapie einer Hyperthyreose sind Krebserkrankungen im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung insgesamt nicht häufiger. Einzelne Karzinome wie Schilddrüsen- und Dünndarmkrebs werden aber häufiger beobachtet. 

Die Radiojodtherapie der Immunhyperthyreose wird seit fast 60 Jahren durchgeführt und gilt bisher als relativ «sicher». Einige – aber nicht alle – der durchgeführten Nachuntersuchungen an Personen nach Radiojodtherapie ergaben Hinweise für eine erhöhte Morbidität und Mortalität an Karzinomen (insbesondere Schilddrüsenkarzinom) und Herz-Kreislauf-Krankhei-ten. In der vorliegenden Nachuntersuchung (bis 40 Jahre nach Radiojodtherapie) fand man mehr Schilddrüsenkarzinome und Dünndarmkarzinome und weniger andere Karzinome als aus der Statistik des UK Office for National Statistics zu erwarten wären (es wurden also nicht Radiojodtherapie mit thyreostatischer Therapie und Thyreoidektomie verglichen!). Vorläufig sollten wir an der thyreostatischen Behandlung als Therapie erster Wahl der Immunhyperthyreose festhalten und insbesondere bei Kindern und Jugendlichen mit der Radiojodtherapie sehr zurückhaltend sein (Tschernobyl!). In der Nachsorge Jod131-therapierter Personen muss an die Möglichkeit der erwähnten Karzinome gedacht werde.

Klaus Baumann

 

Standpunkte und Meinungen

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Keine Krebshäufung nach Radiojod (August 1999)
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