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Wie gut sind Gratis-Zeitschriften?

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Zusammerfasser(in): Etzel Gysling
infomed screen Jahrgang 23 (2019), Nummer 4
Datum der Ausgabe: Juli 2019

Es gibt ausgezeichnete Argumente dafür, dass Forschungsresultate kostenlos verfügbar sein sollten. Sehr oft sind die entsprechenden Untersuchungen ja von Forschungsgeldern finanziert, die aus öffentlichen Quellen stammen. Bei klinischen Studien gilt dies erst recht, haben doch Patientinnen und Patienten ohne Entgelt daran teilgenommen. So ist es eigentlich völlig unfair, wenn dann die Resultate hinter einer Bezahlbarriere versteckt werden. Es gibt heute – vorwiegend im Internet – eine Anzahl von Publikationen, die einen «open access» pflegen. Wer sich für mehr Informationen zu quali­tätsgesicherten Publikationen interessiert, findet diese auf der Website des «Directory of Open Access Journals» (https://doaj.bestpractice). Aber auch traditionelle Fachorgane wie das British Medical Journal (BMJ, https://www.bmj.com) ermöglichen heute einen kostenlosen Zugang zu Texten mit Studienresultaten. Dabei ist nicht überraschend, dass Editorials und Übersichtsartikel im BMJ nach wie vor nur gelesen werden können, wenn man ein bezahltes Abonnement hat. Dieselbe Organisation publiziert ja auch das werbefreie «Drug and Therapeutics Bulletin» (DTB, https://dtb.bmj.com), ein schmales Heft, das nur einmal monatlich erscheint und rund 160 Franken jährlich kostet. Mit anderen Worten: Die sogen. Sekundärliteratur – Analyse, Synthese und Reflexion zu Studien – kann nicht kostenlos sein. Wenn die Kosten nicht via ein Abonnement (oder allenfalls einen Mitgliederbeitrag) finanziert werden, so stehen Sponsoren dahinter und Sponsoren sind ja bekanntlich nicht desinteressiert.

Gratis-Publikationen scheinen im Internet aber zu gedeihen und auf beträchtliches Interesse zu stossen. Auch Periodika aus dem Bereich der Medizin werden immer zahlreicher. Einerseits ist es ja sehr bequem, sich ohne Bezahlung über ein Thema informieren zu können. Anderseits sind solche «Journals» auch für Forschende interessant, deren Texte in traditionellen Zeitschriften keine Chance haben. Hier liegt nun das grosse Problem: Nicht wenige der Gratis-Publikationen sind Räuber («predatory journals»), die sich mit (Pseudo-) Peer Review brüsten und mit den Gebühren (die sie den Forschenden abverlangen) Geld machen, sich aber um die Qualität der Texte foutieren. Wer an der Veröffentlichung eines medizinischen Forschungsartikels interessiert ist, kann sich jedoch anhand der bei «Think. Check. Submit?» (https://thinkchecksubmit.org) offerierten Hilfen orientieren, ob es sinnvoll ist, ein bestimmtes Periodikum zu wählen. Fachleute in Klinik, Praxis und Offizin verfügen aber meistens nicht über sehr viel Zeit zum Lesen von Fachliteratur. Für sie lautet mein Rat: trau, schau wem – sehr viele kostenlose Publikationen sind nicht vertrauens­würdig.

Etzel Gysling

 

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