infomed-screen

Interferon-b bei Multipler Sklerose

r -- Randomised double-blind placebo-controlled study of interferon beta-1a in relapsing/remitting multiple sclerosis. PRISMS (Prevention of Relapses and Disability by Interferon beta-1a Subcutaneously in Multiple Sclerosis) Study Group. Lancet 1998 (7. N [Link]
Kommentiert von: Niklaus Löffel
infomed screen Jahrgang 3 (1999) , Nummer 1
Datum der Ausgabe: Januar 1999

Studienziele

Bisherige kontrollierte Studien mit Interferon-b haben bei einem Teil der Personen, die an Multipler Sklerose (MS) leiden, vorteilhafte Wirkungen gezeigt. In den beiden neuen, hier zusammengefassten Studien wurde versucht, Anwendbarkeit und Nutzen von Interferon-b genauer zu definieren. Rebif®, ein in der Schweiz nicht erhältliches Interferon-b-1a-Präparat, wurde bei der schubförmig verlaufenden MS und Betaferon® (Interferon-b-1b) bei der sekundär chronisch-progredienten MS untersucht.

Methoden

Der Behinderungsgrad der MS-Kranken wurde in beiden Studien mittels der «Expanded Disability Status Scale» (EDSS) nach Kurtzke festgelegt. Die Skala reicht von 0 (keine Befunde) bis 10 (Tod).

In die erste Studie wurden 560 MS-Kranke mit einem EDSS-Wert von 0 bis 5 aufgenommen. Diese wurden während zwei Jahren randomisiert mit Interferon-b-1a oder Placebo behandelt. Dreimal wöchentlich erhielten 189 Personen 22 mg, 184 erhielten 44  mg und 187 Placebo subkutan. Eine neurologische Untersuchung erfolgte alle 3 Monate. Bei allen Kranken wurde 2mal jährlich ein Schädel-MRI durchgeführt. Das primäre Endziel war die Erfassung der Rezidivrate.

In die zweite Studie wurden 718 Personen mit einer sekundär chronisch-progredienten MS (EDSS-Wert 3 bis 6,5) aufgenommen. 360 MS-Kranke erhielten 3 Jahre lang Interferon-b-1b (8 Mio. IE jeden zweiten Tag subkutan) und 358 MS-Kranke Placebo. Als wichtigstes Ziel interessierte das Fortschreiten der Erkrankung, definiert als eine Erhöhung des EDSS-Wertes um 1.

Ergebnisse

In der ersten Studie konnten die Daten von 533 Personen ausgewertet werden. Unter Interferon-b-1a traten rund ein Drittel weniger Rezidive als unter Placebo auf. Ebenfalls signifikant war der Unterschied in der Zeit bis zum ersten Rezidiv: in der 22-mg-Gruppe trat das erste Rezidiv 3 Monate, in der 44-mg-Gruppe 5 Monate später auf als in der Placebogruppe. Unter aktiver Behandlung fanden sich auch weniger zerebrale Läsionen im MRI.

In der zweiten Studie wiesen nur 39% der aktiv Behandelten (gegenüber 50% in der Placebogruppe) eine Progression der Erkrankung auf, ein hoch-signifikanter Unterschied. Die Interferon-Behandelten wurden im Durchschnitt 9 Monate später rollstuhlabhängig als die Placebo-Behandelten. Der Zeitpunkt des ersten Rezidivs (nach Behandlungsbeginn) trat in der Interferon-Gruppe mit 21 Monaten signifikant später auf als in der Placebogruppe mit 13 Monaten. Auch in dieser Studie hatten mit Interferon-b-1b Behandelte signifikant weniger zerebrale Läsionen.

Schlussfolgerungen

Das Fortschreiten einer MS wird durch Interferon-b-Präparate signifikant verzögert. Interferon-b-1a reduzierte bei der schubförmig verlaufenden MS die Rezidivrate. Interferon-b-1b verlangsamte die Progression der sekundär chronisch-progredienten MS.

Dass Interferon-b über 2 Jahre die Schubrate bei der schubförmig verlaufenden («relapsing-remitting») MS um etwa 30% reduziert, wurde bereits 1993 für Interferon-b-1b (Betaferon®) und 1996 für Interferon-b-1a (Avonex®) nachgewiesen. Seither sind auch die Dosisabhängigkeit der Wirkung zumindest für Interferon-b-1b und der Wirkungsnachweis im MRI für beide Betainterferone bekannt. Für Interferon-b-1b wurde die günstige Wirkung auf den Behinderungsgrad der Betroffenen vermutet, für Interferon-b-1a nachgewiesen. Insofern bringt die sog. PRISMS-Studie mit einem neuen Interferon-b-1a (Rebif®; in der CH nicht erhältlich), welches dieselbe Aminosäuresequenz wie Avonex® bzw. humanes Interferon-b-1a aufweist, keine grundsätzlich neuen Erkenntnisse. Viel bedeutender ist dagegen der nun vorliegende Nachweis, dass Personen mit sogenannt sekundär progredienter MS, der häufigsten Folge der schubförmigen MS, in bezug auf ihren Behinderungsgrad von einer Behandlung mit Interferon-b-1b profitieren. Da bei vergleichbarer Dosierung zwischen den verschiedenen Betainterferonen keine wesentlichen Preisunterschiede bestehen, sprechen die zur Zeit verfügbaren und solideren Ergebnisse eher für die Verwendung von Interferon-b-1b. In jedem Falle gehören die Indikationsstellung und die Wahl des Interferonpräparates in die Hand des erfahrenen Facharztes.

Niklaus Löffel

 

Standpunkte und Meinungen

Es gibt zu diesem Artikel keine Leserkommentare.
infomed-screen 3 -- No. 1
Infomed Home | infomed-screen Index
Interferon-b bei Multipler Sklerose (Januar 1999)
Copyright © 2020 Infomed-Verlags-AG

med111.com

infomed-screen abonnieren

100 wichtige Medikamente

mailingliste abonnieren

infomed-screen Links
infomed-screen abonnemente
aktueller infomed-screen jahrgang
aktueller pharma-kritik jahrgang
Was bedeuten die Symbole?
rRandomisiert-kontrollierte Studie
kKohortenstudie
fFall-Kontroll-Studie
mMeta-Analyse oder systematische Übersicht
aAndere Studienart