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H. pylori-Eradikation bei Dyspepsie?

r -- McColl K, Murray L, El-Omar E et al. Symptomatic benefit from eradicating Helicobacter pylori infection in patients with nonulcer dyspepsia. N Engl J Med 1998 (24.Dezember); 339: 1869-74 [Link]
Kommentator(in): Dominique H. Criblez
infomed screen Jahrgang 3 (1999) , Nummer 2
Datum der Ausgabe: Februar 1999

Studienziele

Der Nutzen der Eradikation von Helicobacter pylori bei gastro-duodenalen Ulzera gilt als gesichert. Unklar blieb bis jetzt der Stellenwert einer Eradikation von Helicobacter bei funktioneller Dyspepsie. In den beiden vorliegenden Studien wurde dieser Frage nachgegangen.

Methoden

In beiden Studien wurde vorab eine Ulkuskrankheit gastroskopisch ausgeschlossen und eine Helicobacter-Infektion nachgewiesen.

In der ersten Studie wurden 318 Personen mit dyspeptischen Beschwerden randomisiert und 2 Wochen mit einer Dreifachtherapie (n=160) mit Omeprazol (Antra®; 2mal 20 mg/Tag), Amoxicillin (Clamoxyl® u.a.; 3mal 500 mg/Tag) und Metronidazol (Flagyl® u.a.; 3mal 400 mg/Tag) oder allein (n=158) mit Omeprazol (2mal 20 mg/Tag) behandelt.

In der zweiten, multizentrisch durchgeführten Studie wurde bei 164 Personen eine 7tägige Dreifachtherapie mit Omeprazol (2mal 20 mg/Tag), Amoxicillin (2mal 1000 mg/Tag) und Clarithromycin (Klacid®; 2mal 500 mg/Tag) einer 7tägigen Omeprazol-Therapie (2mal 20 mg/Tag) bei ebenfalls 164 Personen gegenübergestellt.

Ergebnisse

In der ersten Studie hatten ein Jahr nach Behandlung 21% der Dreifachtherapie-Gruppe keine Dyspepsiebeschwerden mehr, in der Omeprazol-Gruppe nur 7%. Die Eradikation von H. pylori war bei 88% der Personen in der Dreifachtherapie-Gruppe erfolgreich gewesen.

In der zweiten Studie verneinten anlässlich der Untersuchung 12 Monate nach Behandlungsende rund 27% der Personen der Dreifachtherapie-Gruppe und 21% in der Omeprazol-Gruppe dyspeptische Beschwerden, kein signifikanter Unterschied. Die Eradikationsrate nach Omeprazol/Amoxicillin/Clarithromycin betrug 79%.

Schlussfolgerungen

In der ersten Studie war eine Dreifachtherapie von dyspeptischen Beschwerden bei Helicobacter-positiven Personen einer Omeprazol-Monotherapie signifikant überlegen. In der zweiten Studie konnte diesbezüglich kein Unterschied gefunden werden.  

Bei näherer Analyse (vgl. auch Editorial)1 sind die Aussagen dieser Studien weniger diametral entgegengesetzt, als es zuerst scheinen könnte. Der von McColl K et al. gefundene Behandlungseffekt ist zwar formal statistisch signifikant, aber so marginal, dass die klinische Bedeutsamkeit fraglich bleibt. Analog zur Studie von Blum AL et al. profitiert eine Mehrheit von über 70% der Betroffenen nicht von einer Eradikationstherapie. Der H. pylori-Infekt spielt somit bei der funktionellen Dyspepsie eine untergeordnete Rolle, und die Eradikation kann nicht als Therapie der Wahl empfohlen werden.

Dominique H. Criblez

1 Friedman LS. Helicobacter pylori and nonulcer dyspepsia. N Engl J Med 1998 (24. Dezember); 339: 1928-30

 

Standpunkte und Meinungen

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