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Sonne und Hautkrebs: Kleider tragen!

a -- Autier P, Dore JF, Cattaruzza MS et al. Sunscreen use, wearing clothes, and number of nevi in 6- to 7-year-old European children. European Organization for Research and Treatment of Cancer Melanoma Cooperative Group. J Natl Cancer Institute 1998 (16. [Link]
Kommentator(in): Renato G. Panizzon
infomed screen Jahrgang 3 (1999) , Nummer 2
Datum der Ausgabe: Februar 1999

Studienziele

In früheren epidemiologischen Studien wurde festgestellt, dass der Gebrauch von Sonnenschutzmitteln zwar Sonnenbrände verhüten kann, die niedrigen Schutzfaktoren (unter 15) und fehlende UVA-Blocker jedoch trotzdem das Risiko UV-induzierter Hautschäden, insbesonders das Melanomrisiko, ansteigen liessen. Die Anzahl Nävi ist bei Erwachsenen stark mit der Melanomhäufigkeit verknüpft und ist auch bei Kindern abhängig von der Sonnenexposition. Um den Einfluss der Sonnenexposition, die Wirkung von Sonnenschutzmitteln mit hohen Schutzfaktoren und die Auswirkung des Kleidertragens auf die Entwicklung neuer Nävi besser beurteilen zu können, wurde diese Studie bei 6- bis 7jährigen Kindern durchgeführt.

Methoden

Mit dem Einverständnis ihrer Eltern wurden zwischen Oktober 1995 und Februar 1997 in vier europäischen Städten Schülerinnen und Schüler der 1. Primarklasse am gesamten Körper auf das Vorkommen von Nävi mit einem Durchmesser über 2 mm untersucht. Zusätzlich wurde ihre Haar- und Augenfarbe festgehalten. Unabhängig von der Hautuntersuchung wurden die Eltern zur Sonnenexposition ihrer Kinder, über den Gebrauch von Sonnenschutzmitteln und das Tragen von Kleidern als Sonnenschutz befragt. Daneben wurde auch der Hauttyp eines Kindes in bezug auf die Sonnenempfindlichkeit folgendermassen klassifiziert: Hauttyp I: keine Bräunung, immer Sonnenbrand; Hauttyp II: leichte bis moderate Bräunung, gelegentlich Sonnenbrand; Hauttyp III: moderate bis gute Bräunung, kaum Sonnenbrand; Hauttyp IV: immer Bräunung, nie Sonnenbrand.

Ergebnisse

In dieser Studie konnten insgesamt 631 Kinder untersucht werden. Durchschnittlich wiesen die Kinder 6 Nävi von mindestens 2 mm Durchmesser auf. Gegliedert nach den Hauttypen I bis IV wurden folgende durchschnittliche Zahlen von Nävi festgestellt: Hauttyp I 8,5 Nävi; Hauttyp II und III: je 8 Nävi; Hauttyp IV: 4 Nävi. Die Anzahl der Interviews mit den Eltern – die Mütter nahmen in 93% an der Befragung teil – betrug ebenfalls 631. Die Kinder, die am häufigsten Sonnenschutzmittel gebrauchten, hatten am meisten Nävi (relatives Risiko 1,68, nach Berücksichtigung von Sonnenexposition und Hauttyp). Bei den Kindern, die am häufigsten Kleider trugen, betrug das relative Risiko 0,59. Der Sonnenschutzfaktor und die Anzahl Sonnenbrände hatten keinen Einfluss auf die Zahl der Nävi.

Schlussfolgerungen

Der Gebrauch von Sonnenschutzcremes, auch mit hohen Schutzfaktoren, führt bei weissen, europäischen Kindern vermehrt zum Auftreten von Nävi. Von den Studien-Autorinnen und -Autoren wird dieser Umstand darauf zurückgeführt, dass Sonnenschutzmittel wahrscheinlich eine vermehrte Sonnenexposition erlauben. Eine grosse Anzahl von Nävi deutet auf ein erhöhtes Melanomrisiko hin. Die Verwendung von Sonnenschutzmitteln könnte deshalb zur Melanomentwicklung beitragen, indem diese zu einer vermehrten Sonnenexposition ermutigen. Einen wirksamen Schutz bietet nur das Tragen von Kleidern.

Diese Studie war eigentlich zu erwarten und zu erhoffen. Sie bestätigt, worauf Dermatologen schon immer hingewiesen haben, dass nämlich der Sonnenschutz vor allem und zuerst bedeutet: Auswahl der Tageszeit der Exposition, Tragen der Kleidung und erst in dritter Linie Auftragen eines Sonnenschutzmittels! Alle und hauptsächlich die Eltern können als Beispiel vorangehen. Dieses Vorgehen wird durch Untersuchungen in Australien bestätigt. Auf Sonnenschutzmittel (mit Faktor 15 und mehr) deshalb zu verzichten, wäre aber ebenso fahrlässig.

Renato G. Panizzon

 

Standpunkte und Meinungen

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