Basis-Insulin mit einem GLP-1-Agonisten kombinieren?

  • m -- Eng C, Kramer CK, Zinman B et al. Glucagon-like peptide-1 receptor agonist and basal insulin combination treatment for the management of type 2 diabetes: a systematic review and meta-analysis. Lancet 2014 (20. Dezember); 384: 2228-34 [Link]
  • Zusammengefasst von: Peter Ritzmann
  • infomed screen Jahrgang 19 (2015) , Nummer 1
    Datum der Ausgabe: Februar 2015

Bei all den neueren Antidiabetika, die für die Behandlung des Typ-2-Diabetes auf den Markt drängen, stellt sich die Frage nach einem sinnvollen Einsatz der verschiedenen Medikamentengruppen und ihrer Kombination neu. Die GLP-1-Agonisten (GLP-1 = «glucagon-like peptide-1») wie Exenatid (z.B. Byetta®) oder Liraglutid (Victoza®) müssen parenteral verabreicht werden, zeichnen sich durch eine lange Wirkungszeit, ein vergleichsweise geringes Hypoglykämierisiko, eine eher gewichtsreduzierende Wirkung und hohe Medikamentenkosten aus. In der aktuellen Meta-Analyse wurden Studien zusammengefasst, die GLP-1-Agonisten in Kombination mit langwirkenden Insulinen untersucht hatten. Endpunkte von primärem Interesse waren Veränderungen des HbA1c, Hypoglykämien und Gewichtsveränderungen.

Insgesamt wurden in einer systematischen Übersicht 15 Stu­dien zusammengestellt, die in unterschiedlichen Anordnungen den Vergleich der Kombination langwirkendes Insulin plus GLP-1-Agonist mit einer anderen Behandlung zuliessen. So wurde z.B. zu einer bestehenden Behandlung mit einem Basalinsulin ein GLP-1-Agonist oder Placebo hinzugefügt oder aber ein GLP-1-Agonist mit einem zusätzlichen Bolus-Insulin verglichen. Entsprechend heterogen waren die Resultate, teilweise fanden sich auch Hinweise auf einen Publikations-Bias. Zusammengefasst zeigten die Studien aber einen signifikanten Vorteil der Kombination bezüglich HbA1c-Werten und Abnahme des Körpergewichts gegenüber den Vergleichstherapien. Das war sogar so für die Resultate der drei Studien, in denen ein Basis-Bolus-System als Vergleichstherapie diente. In diesen Studien fand sich auch ein niedrigeres Hypoglykämierisiko für die Kombination Basisinsulin und GLP 1-Agonist, während es in allen Studien zusammen keinen signifikanten Unterschied gab.

Die Kombination eines Basisinsulins mit einem GLP-1-Agonisten wäre eine spannende Therapieoption für Typ-2-Diabeteskranke, bei denen mit Metformin und einem Basisinsulin keine akzeptable Blutzuckereinstellung möglich ist. Glinide bringen in dieser Situation häufig wenig und die Umstellung auf ein Basis-Bolus-System ist für die Betroffenen (bzw. die Pflegenden) aufwendig und häufig mit einer Gewichtszunahme verbunden. Die Kombination kann ein- oder zweimal täglich gespritzt werden und das Hypoglykämierisiko ist gemäss der aktuellen Meta-Analyse vertretbar. Das Problem der fehlenden Evidenz bezüglich harter Endpunkte bleibt aber bestehen und relativiert solche Überlegungen stark. Auch die enormen Medikamentenkosten, welche die GLP-1-Agonisten verursachen (bei üblichen Dosierungen zwischen CHF 140 und 275 pro Monat) fallen angesichts der fehlenden harten Evidenz natürlich schwer ins Gewicht.

Zusammengefasst und kommentiert von Peter Ritzmann

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Basis-Insulin mit einem GLP-1-Agonisten kombinieren? (Februar 2015)