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Chronisch-lymphatische Leukämie: aggressive Behandlung unnötig

m -- Chemotherapeutic options in chronic lymphocytic leukemia: a meta-analysis of the randomized trials. CLL Trialists' Collaborative Group. J Natl Cancer Inst 1999 (19. Mai); 91: 861-8 [Link]
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infomed screen Jahrgang 3 (1999) , Nummer 6
Datum der Ausgabe: Juli 1999

Studienziele

Die beste Therapie der chronisch-lymphatischen Leukämie (CLL) ist weder in frühen noch in fortgeschrittenen Stadien eindeutig festgelegt. In der vorliegenden Metaanalyse wurde erstens untersucht, ob das Überleben von Personen mit einem frühen Stadium der Erkrankung durch eine frühe oder eine erst später begonnene Chemotherapie besser beeinflusst wird. Zweitens sollte geklärt werden, ob sich bei fortgeschrittener Erkrankung eine Monotherapie mit Chlorambucil (Leukeran®) oder eine Kombinationstherapie günstiger auf die Mortalität auswirkt.

Methoden

Aufnahme fanden sowohl publizierte wie auch nicht-publizierte randomisierte Studien, die vor Ende 1990 begonnen worden waren. Die meisten davon konnten durch den «International Workshop on CLL» ermittelt werden, die übrigen Studien fanden sich u.a. in der Medline-Datenbank und in klinischen Kongressberichten. Für jede teilnehmende Person wurden die Merkmale zum Zeitpunkt der Randomisierung erfasst (Laborwerte, Stadium der Erkrankung u.a.).

Ergebnisse

Bei insgesamt 2048 Personen (6 Studien) im frühen Stadium der CLL wurde eine frühe mit einer späten Chemotherapie verglichen. Die Behandlungen wurden entweder mit Chlorambucil allein oder Chlorambucil kombiniert mit Prednison/Prednisolon durchgeführt. Die Zehnjahres-Überlebensrate betrug bei früher Therapie 44% und bei später Therapie 47% (Unterschied nicht signifikant). In 10 Studien erhielten 2022 Personen im fortgeschrittenen Erkrankungsstadium entweder eine Monotherapie mit Chlorambucil oder eine Kombinationstherapie. In der Metaanalyse konnte kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Behandlungsgruppen festgestellt werden: nach 5 Jahren lebten in beiden Gruppen noch 48%. Berücksichtigt man hier nur die 6 Studien, in denen die Kombinationstherapie Anthrazykline (z.B. Doxorubicin; Adriblastin® u.a.) enthielt, so ergab sich wiederum kein signifikanter Unterschied: unter Monotherapie mit Chlorambucil starben 48%, unter der Kombination 52%.

Schlussfolgerungen

Gemäss dieser Metaanalyse bringt es keinen Überlebensvorteil, Personen mit einem frühen Stadium der CLL möglichst rasch zu behandeln. Ebenso wenig vermag eine Kombinationsbehandlung gegenüber einer Chlorambucil-Monotherapie im fortgeschrittenen Stadium die Mortalität zu senken.

Um die umstrittene Bedeutung des Behandlungsbeginns und -intensität bei CLL zu untersuchen, wurde hier die verfügbare Literatur unter dem Aspekt zweier wichtiger Vergleiche untersucht. Das Resultat: Mit dem Therapiebeginn im Frühstadium kann man ruhig zuwarten; ein späterer Beginn bringt keine Nachteile bezüglich Überleben. Wichtig wäre hier die Identifikation einer Risikogruppe, bei der sich eine Frühbehandlung lohnt – die Literatur liefert darüber keinerlei Information. Die Polychemotherapie (auch anthrazyklinhaltige Kombinationen) ist der Monotherapie bezüglich Überleben nicht überlegen. Leider sind bis jetzt die interessanten Purin-Analoge wegen zu kurzer Beobachtungszeit nicht beurteilbar.

Peter Forrer

 

Standpunkte und Meinungen

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Chronisch-lymphatische Leukämie: aggressive Behandlung unnötig (Juli 1999)
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