Mehr Spontanaborte unter Entzündungshemmern
- Zusammenfassung: Renato L. Galeazzi
- infomed screen Jahrgang 15 (2011)
, Nummer 6
Publikationsdatum: 1. Dezember 2011 - PDF-Download dieses Artikels (automatisch generiert)
Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) gehören zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten während der Schwangerschaft. Trotzdem weiss man kaum etwas über den Einfluss der einzelnen Präparate oder über deren Dosis und Verschreibungsdauer auf den Ausgang der Schwangerschaft. Für die vorliegende Fall-Kontroll-Studie wurden vernetzte Datenbanken der Provinz Quebec (Kanada) ausgewertet, welche unter anderem differenzierte Angaben zu Schwangerschaft und Geburt, wie auch Verschreibungsdaten von Medikamenten enthielten. Als Fälle wurden 4'705 Frauen zwischen 15 und 45 Jahren ausgewählt, die in den ersten 20 Wochen ihrer Schwangerschaft einen Spontanabort durchgemacht hatten. Jeder betroffenen Frau wurden zehn Kontrollen mit vergleichbaren Eigenschaften, aber ohne Abort zugeordnet. Anhand der Verschreibungsdaten konnte die NSAR-Exposition zwischen Fällen und Kontrollen verglichen werden.
Von den Frauen mit Spontanabort hatten seit Beginn der Schwangerschaft 7,5%, von den Kontrollen hingegen nur 2,6% NSAR eingenommen. Aber auch Antidepressiva, orale Steroide und verschiedene andere, nicht näher definierte Medikamente waren von den Frauen mit Abort häufiger verwendet worden. Diese Frauen waren durchschnittlich auch etwas älter, erhielten häufiger Sozialhilfe, litten häufiger an Krankheiten, und wurden trotzdem seltener kontrolliert. Die Odds-Ratios (OR) für das Auftreten eines Abortes unter NSAR waren nach Korrektur für Faktoren mit möglichem Einfluss auf die Abortrate für alle Substanzen in einem ähnlichen Bereich. Relativ am schlechtesten schnitt Diclofenac (Voltaren® u.a.; OR 3,09) ab, am besten Rofecoxib (Vioxx®, nicht mehr im Handel; OR 1,83). Eine Dosisabhängigkeit konnte nicht nachgewiesen werden.
Man hat tatsächlich den Eindruck, dass NSAR von Frauen mit Spontanabort häufiger verwendet wurden als von Frauen ohne Abort. Allerdings kann damit keine Kausalität belegt werden, denn auch Antidepressiva, Steroide und andere Medikamente wurden von den Betroffenen häufiger eingenommen. Ein positiver Aspekt dieser Studie ist die hohe Fallzahl. Schade hingegen, dass die Selbstmedikation mit NSAR und Acetylsalicylsäure nicht erfasst werden konnte. Zudem, das räumen auch die Studienverantwortlichen ein, kann vom Einlösen eines Rezeptes noch nicht auf dessen Einnahme geschlossen werden. Andererseits geben diese relativ objektiven Daten wohl ein genaueres Resultat als die nachträgliche Befragung von Betroffenen und Kontrollen.
Zusammengefasst von Renato L. Galeazzi
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