Was ärztliche Entscheidungen beeinflusst (Studie 1)

  • -- Ubel PA, Angott AM, Zikmund-Fisher BJ. Physicians recommend different treatments for patients than they would choose for themselves. Arch Intern Med 2011 (11. April); 171: 630-4 [Link]
  • Zusammengefasst von: Peter Ritzmann
  • infomed screen Jahrgang 15 (2011) , Nummer 4
    Datum der Ausgabe: August 2011

Es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, ob Ärztinnen und Ärzte ihren Behandelten Therapieempfehlungen abgeben sollen oder nicht. In dieser Studie aus den USA wurde untersucht, ob Entscheidungen anders ausfallen, wenn Ärztinnen und Ärzte sie für sich selbst oder für ihre Patientinnen und Patienten fällen müssen. Dazu wurde zwei zufällig ausgewählten Gruppen von Praktizierenden jeweils eine Frage vorgelegt, bei der sie sich zu entscheiden hatten für eine von zwei hypothetischen Interventionen zur Behandlung eines Kolonkarzinoms oder einer neuartigen Vogelgrippe. Eine der Interventionen war jeweils mit einer grösseren Überlebenschance aber einem höheren Risiko für bleibende Therapieschäden assoziiert. Nach dem Zufall wurde die Frage jeweils einer Hälfte der Befragten so gestellt, als ob es sich dabei um eine eigene, und der anderen Hälfte, als ob es sich um die Erkrankung einer von ihnen behandelten Person handelte.

In beiden Gruppen (242 bzw. 698 Antwortende) fand sich ein signifikanter Unterschied zwischen den Entscheidungen für sich und für andere. Für sich wählten die Befragten häufiger die Therapie mit der schlechteren Überlebenschance, aber einem geringerem Risiko für bleibende Schäden (38% bzw. 63%) als sie dies einer behandelten Person empfohlen hätten (25% bzw. 49%). Die Studienverantwortlichen vermuten, dass Entscheidungen, von denen man selbst betroffen wäre, mehr von Emotionen beeinflusst werden, während bei Entscheidungen für andere rationalere Kriterien zur Anwendung kämen.
   
Zusammengefasst von Peter Ritzmann
   

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infomed-screen 15 -- No. 4
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Was ärztliche Entscheidungen beeinflusst (Studie 1) (August 2011)