Endlich verfügbar! Unser beliebter Medikamentenführer "100 wichtige Medikamente" ist sehr bald in einer neuen Ausgabe erhältlich. Bis Ende Januar 2020 können Sie das Buch zu stark reduziertem Preis bestellen.

Bestellen!

infomed-screen

Kardiovaskuläre Risiken der Entzündungshemmer

m -- Trelle S, Reichenbach S, Wandel S et al. Cardiovascular safety of non-steroidal anti-inflammatory drugs: network meta-analysis. BMJ 2011 (11. Januar); 342: c7086 [Link]
Zusammerfasser(in): Peter Ritzmann
infomed screen Jahrgang 15 (2011) , Nummer 3
Datum der Ausgabe: Juni 2011

Seit dem Debakel bei der Einführung von Rofecoxib (Vioxx®) sind die kardiovaskulären Risiken der nicht-steroidalen Entzündungshemmer (NSAR) ein kontrovers diskutiertes Thema geblieben. Erhöhen COX-2-selektive Entzündungshemmer das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse besonders stark oder handelt es sich um einen Effekt, der bei allen NSAR in gleichem Masse ins Gewicht fällt? Mit einer Netzwerk-Meta-Analyse von Studien, in denen NSAR untereinander oder mit Placebo verglichen worden waren, versuchte eine Gruppe aus Bern zu zeigen, ob und welche Unterschiede zwischen den verschiedenen NSAR in dieser Frage bestehen (in einer Netzwerk-Meta-Analyse werden die in den direkten Vergleichsstudien beobachteten Unterschiede standardisiert und so auch nicht direkt verglichene Behandlungen einander indirekt gegenübergestellt).

In die Meta-Analyse aufgenommen wurden 31 Studien, 13 placebokontrollierte und 18 direkte Vergleichsstudien mit insgesamt mehr als 100'000 Untersuchten. 7 verschiedene NSAR wurden in diesen Studien untersucht, 4 COX-2-selektive (Rofecoxib, Lumiracoxib, beide nicht mehr im Handel, sowie Celecoxib = Celebrex® und Etoricoxib = Arcoxia®) sowie Naproxen (Proxen® u.a.), Diclofenac (Voltaren® u.a.) und Ibuprofen (Brufen® u.a.). Tendenziell waren kardiovaskuläre Ereignisse unter allen NSAR häufiger als unter Placebo. Signifikant waren die Unterschiede für Myokardinfarkte unter Rofecoxib, für Schlaganfälle unter Diclofenac, Lumiracoxib und Ibuprofen und für den Tod an einem kardiovaskulären Ereignis unter Diclofenac und Etoricoxib. Klare Unterschiede zwischen den einzelnen untersuchten NSAR liessen sich nicht darstellen, Naproxen scheint gemäss den Studienverantwortlichen die geringsten kardiovaskulären Risiken der untersuchten NSAR aufzuweisen.

Dass NSAR das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse erhöhen, bestätigt diese neue Meta-Analyse. Klare Schlüsse bezüglich relativer Sicherheit von verschiedenen NSAR lässt sie aber höchstens begrenzt zu. Das liegt einerseits daran, dass kardiovaskuläre Ereignisse in randomisierten Studien selten auftreten, die Resultate daher grosse Unschärfen enthalten. Andererseits ist eine Netzwerk-Meta-Analyse aber ganz grundsätzlich eine problematische Methode, da auch Interventionen miteinander verglichen werden, für die es keine direkten Vergleichsuntersuchungen gibt. Dass Naproxen vergleichsweise gut abschnitt, deckt sich allerdings mit früheren Einschätzungen aus der Rofecoxib-Debatte.

Zusammengefasst von Peter Ritzmann

 

Standpunkte und Meinungen

Es gibt zu diesem Artikel keine Leserkommentare.
infomed-screen 15 -- No. 3
Infomed Home | infomed-screen Index
Kardiovaskuläre Risiken der Entzündungshemmer (Juni 2011)
Copyright © 2020 Infomed-Verlags-AG

med111.com

infomed-screen abonnieren

Login

Passwort anfordern

mailingliste abonnieren

infomed-screen Links
infomed-screen abonnemente
aktueller infomed-screen jahrgang
aktueller pharma-kritik jahrgang
Was bedeuten die Symbole?
rRandomisiert-kontrollierte Studie
kKohortenstudie
fFall-Kontroll-Studie
mMeta-Analyse oder systematische Ãœbersicht
aAndere Studienart