Cannabis bei neuropathischen Schmerzen
- Zusammenfassung:
- infomed screen Jahrgang 15 (2011)
, Nummer 1
Publikationsdatum: 24. Januar 2011 - PDF-Download dieses Artikels (automatisch generiert)
Chronische neuropathische Schmerzen sind häufig therapieresistent, weshalb nach Ausschöpfen der herkömmlichen Therapiemöglichkeiten auch Cannabinoide eingesetzt werden. Cannabis wurde bereits im Altertum als Heilmittel verwendet. Seine Wirkung bei verschiedenen Arten chronischer Schmerzen sowie bei Chemotherapie-induzierter Übelkeit und Anorexie wurde aber erst in kleineren Studien untersucht, welche kontroverse Resultate ergaben. In dieser randomisierten Crossover-Studie rauchten 21 von posttraumatischen oder postoperativen neuropathischen Schmerzen Betroffene, die auf andere Mittel nur ungenügend angesprochen hatten, dreimal täglich 25 mg einer Zubereitung aus Hanfblüten und -blättern. Diese enthielt pro Behandlungsperiode von zwei Wochen jeweils eine unterschiedliche Konzentration von Tetrahydrocannabinol (THC; 9,4%, 6%, 2,5% bzw. 0%, letzteres einem Placebo entsprechend). Nach fünf Tagen aktiver Behandlung erfolgte jeweils eine Auswaschphase von neun Tagen bis zum Beginn der nächsten Behandlungsperiode.
Es konnten weniger Personen untersucht werden als geplant, da zu Beginn der Studie aus ethischen Gründen nur Personen berücksichtigt wurden, die früher bereits Cannabis geraucht hatten. Nur mit der höchsten THC-Konzentration von 9,4% waren die Schmerzen, auf einer 11 Punkte umfassenden Schmerz-Skala gemessen, gegenüber Placebo um signifikante 0,7 Punkte tiefer. Auch der Schlaf war mit dieser Dosierung besser, jedoch konnte im Hinblick auf Stimmung und Lebensqualität kein Unterschied gezeigt werden. Die Wirkung der Zubereitungen mit 2,5% bzw. 6% THC unterschied sich nicht von der Placebowirkung.
Obwohl Cannabis schon seit Jahrtausenden eingesetzt wird, ist seine Wirkung für einen regelmässigen Einsatz noch ungenügend dokumentiert. In dieser Studie wird die Wirkung kleiner, möglichst nicht psychoaktiver Dosen auf chronische Schmerzen untersucht. Die Fallzahl ist aus ethischen und juristischen Gründen klein, die gezeigte Wirkung bescheiden. Es müssten grössere und länger dauernde Studien gemacht werden. Sinnvoll erscheint mir der Einsatz von THC bei Anorexie aufgrund schwerer chronischer Krankheiten. In anderen Situationen müsste auch das gesundheitliche Risiko des Rauchens beachtet werden.
Zusammengefasst von Peter Koller
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