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10 Jahre Hepatitis C: wenig Einfluss auf Mortalität

k -- Harris HE, Ramsay ME, Andrews N et al. Clinical course of hepatitis C virus during the first decade of infection: cohort study. BMJ 2002 (23. Februar); 324: 450-3 [Link]
Zusammengefasst von: Mauro Pirovino
Kommentiert von: Mauro Pirovino
infomed screen Jahrgang 6 (2002) , Nummer 5
Datum der Ausgabe: Mai 2002

Studienziele

Ziel dieser Studie war es, den Verlauf einer Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) bei einer Gruppe von Personen zu verfolgen, welche zu einem bekannten Zeitpunkt mit dem HCV infiziert wurden.

Methoden

1995 gab das britische Gesundheitsdepartement den Auftrag, Personen zu untersuchen, die vor Einführung der HCV-Antikörper- Tests eine Blutkonserve von einem HCV-Infizierten erhalten hatten. So konnte eine Gruppe von Personen identifiziert werden, für die sich der Zeitpunkt und die Form der Infektion mit dem HCV dokumentieren liess. Als Kontrollgruppe dienten Personen, welche ebenfalls Bluttransfusionen erhalten hatten, jedoch nicht mit dem HCV infiziert wurden (HCV-Antikörper- negativ). Primäre Endpunkte waren eine klinisch erfassbare Lebererkrankung und das Überleben 10 Jahre nach Infektionsbeginn.

Ergebnisse

Zwischen Januar 1995 und März 1999 konnten 924 HCV-Infizierte und 475 Nicht-Infizierte in die Studie eingeschlossen werden. Seit der Transfusion waren bis Studienende bei den Infizierten durchschnittlich 11,1 Jahre, bei den Kontrollen 11,8 Jahre vergangen. Bei etwa zwei Drittel der Infizierten waren positive HCV-RNA-Tests bekannt, etwa ein Drittel hatte erhöhte Leberwerte. 44% waren biopsiert worden, von diesen hatten 75% Zeichen einer chronischen Hepatitis. 117 (13%) der HCV-Infizierten und 43 (9%) Personen der Kontrollgruppe waren bis Studienende gestorben. Bei den HCV-Infizierten standen 25% der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Lebererkrankung, in der Kontrollgruppe 2%. Beide Unterschiede blieben ohne statistische Signifikanz. Bei 40% der tödlichen Lebererkrankungen war ein übermässiger Alkoholkonsum bekannt.

Schlussfolgerungen.

Eine Hepatitis-C-Virus-Infektion bleibt im ersten Jahrzehnt nach Infektionsbeginn ohne bedeutsamen Einfluss auf die Gesamtmortalität. Infizierte Personen hatten in dieser Studie zwar ein erhöhtes Risiko, an einer Lebererkrankung zu sterben - besonders bei exzessivem Alkoholkonsum -, aber der Unterschied zu Nicht-Infizierten war statistisch nicht signifikant.

Das Wissen um die Naturgeschichte der HCV-Infektion ist äusserst bedeutsam für die Beantwortung wichtiger Fragen rund um Indikation und Kosteneffizienz der heute etablierten Kombinationstherapien mit Interferon-alfa 2b (Intron A® u.a.) und Ribavirin (Rebetol®). Studien wie die vorliegende, welche Personen zum Zeitpunkt der Akquisition des HCV erfassen, sind deshalb von grosser Wichtigkeit. Die Studienverantwortlichen kommen zum Schluss, dass die HCV-Infektion in den ersten 10 Jahren ohne signifikanten Einfluss auf die Gesamtmortalität bleibt. Die Studie zeigt mit Deutlichkeit auf, dass «übermässiger» Alkoholkonsum bereits in den ersten 10 Jahren das Risiko erhöht, an einer Leberkrankheit zu sterben. Man darf mit Spannung erwarten, was die länger dauernde Beobachtung dieser Kohorte ergeben wird; es ist zu hoffen, dass sie zu einer klareren Definition der therapeutischen Zielgruppen beitragen wird.

Mauro Pirovino

 

Standpunkte und Meinungen

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10 Jahre Hepatitis C: wenig Einfluss auf Mortalität (Mai 2002)
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