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Interferon-b bei Multipler Sklerose

r -- Placebo-controlled multicentre randomised trial of interferon beta-1b in treatment of secondary progressive multiple sclerosis. European Study Group on interferon beta-1b in secondary progressive MS. Lancet 1998 (7. November); 352: 1491-7 [Link]
Kommentator(in): Niklaus Löffel
infomed screen Jahrgang 3 (1999) , Nummer 1
Datum der Ausgabe: Januar 1999

Studienziele
Bisherige kontrollierte Studien mit Interferon-b haben bei einem Teil der Personen, die an Multipler Sklerose (MS) leiden, vorteilhafte Wirkungen gezeigt. In den beiden neuen, hier zusammengefassten Studien wurde versucht, Anwendbarkeit und Nutzen von Interferon-b genauer zu definieren. Rebif®, ein in der Schweiz nicht erhältliches Interferon-b-1a- Präparat, wurde bei der schubförmig verlaufenden MS und Betaferon® (Interferon-b-1b) bei der sekundär chronischprogredienten MS untersucht.

Methoden
Der Behinderungsgrad der MS-Kranken wurde in beiden Studien mittels der «Expanded Disability Status Scale» (EDSS) nach Kurtzke festgelegt. Die Skala reicht von 0 (keine Befunde) bis 10 (Tod).
In die erste Studie wurden 560 MS-Kranke mit einem EDSSWert von 0 bis 5 aufgenommen. Diese wurden während zwei Jahren randomisiert mit Interferon-b-1a oder Placebo behandelt. Dreimal wöchentlich erhielten 189 Personen 22 mg, 184 erhielten 44 mg und 187 Placebo subkutan. Eine neurologische Untersuchung erfolgte alle 3 Monate. Bei allen Kranken wurde 2mal jährlich ein Schädel-MRI durchgeführt. Das primäre Endziel war die Erfassung der Rezidivrate.
In die zweite Studie wurden 718 Personen mit einer sekundär chronisch-progredienten MS (EDSS-Wert 3 bis 6,5) aufgenommen. 360 MS-Kranke erhielten 3 Jahre lang Interferon-b-1b (8 Mio. IE jeden zweiten Tag subkutan) und 358 MS-Kranke Placebo. Als wichtigstes Ziel interessierte das Fortschreiten der Erkrankung, definiert als eine Erhöhung des EDSS-Wertes um 1.
Ergebnisse
In der ersten Studie konnten die Daten von 533 Personen ausgewertet werden. Unter Interferon-b-1a traten rund ein Drittel weniger Rezidive als unter Placebo auf. Ebenfalls signifikant war der Unterschied in der Zeit bis zum ersten Rezidiv: in der 22-mg-Gruppe trat das erste Rezidiv 3 Monate, in der 44-mg- Gruppe 5 Monate später auf als in der Placebogruppe. Unter aktiver Behandlung fanden sich auch weniger zerebrale Läsionen im MRI. In der zweiten Studie wiesen nur 39% der aktiv Behandelten (gegenüber 50% in der Placebogruppe) eine Progression der Erkrankung auf, ein hoch-signifikanter Unterschied. Die Interferon-Behandelten wurden im Durchschnitt 9 Monate später rollstuhlabhängig als die Placebo-Behandelten. Der Zeitpunkt des ersten Rezidivs (nach Behandlungsbeginn) trat in der Interferon-Gruppe mit 21 Monaten signifikant später auf als in der Placebogruppe mit 13 Monaten. Auch in dieser Studie hatten mit Interferon-b-1b Behandelte signifikant weniger zerebrale Läsionen.

Schlussfolgerungen
Das Fortschreiten einer MS wird durch Interferon-b- Präparate signifikant verzögert. Interferon-b-1a reduzierte bei der schubförmig verlaufenden MS die Rezidivrate. Interferon-b-1b verlangsamte die Progression der sekundär chronisch-progredienten MS.

Dass Interferon-b über 2 Jahre die Schubrate bei der schubförmig verlaufenden («relapsing-remitting») MS um etwa 30% reduziert, wurde bereits 1993 für Interferon-b- 1b (Betaferon®) und 1996 für Interferon-b-1a (Avonex®) nachgewiesen. Seither sind auch die Dosisabhängigkeit der Wirkung zumindest für Interferon-b-1b und der Wirkungsnachweis im MRI für beide Betainterferone bekannt. Für Interferon-b-1b wurde die günstige Wirkung auf den Behinderungsgrad der Betroffenen vermutet, für Interferon- b-1a nachgewiesen. Insofern bringt die sog. PRISMSStudie mit einem neuen Interferon-b-1a (Rebif®; in der CH nicht erhältlich), welches dieselbe Aminosäuresequenz wie Avonex® bzw. humanes Interferon-b-1a aufweist, keine grundsätzlich neuen Erkenntnisse. Viel bedeutender ist dagegen der nun vorliegende Nachweis, dass Personen mit sogenannt sekundär progredienter MS, der häufigsten Folge der schubförmigen MS, in bezug auf ihren Behinderungsgrad von einer Behandlung mit Interferon-b-1b profitieren. Da bei vergleichbarer Dosierung zwischen den verschiedenen Betainterferonen keine wesentlichen Preisunterschiede bestehen, sprechen die zur Zeit verfügbaren und solideren Ergebnisse eher für die Verwendung von Interferon-b-1b. In jedem Falle gehören die Indikationsstellung und die Wahl des Interferonpräparates in die Hand des erfahrenen Facharztes.

Niklaus Löffel

 

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Interferon-b bei Multipler Sklerose (Januar 1999)
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