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Cidofovir wirksam bei Zytomegalievirus-Retinitis

r -- Anon. Parenteral cidofovir for cytomegalovirus retinitis in patients with AIDS: The HPMPC peripheral cytomegalovirus retinitis trial. Ann Intern Med 1997 (15. Februar); 126: 264-74
infomed screen Jahrgang 1 (1997) , Nummer 5
Datum der Ausgabe: Mai 1997

Studienziele
Zytomegaloviren (CMV) verursachen besonders im Spätstadium einer AIDS-Erkrankung eine Retinitis, die zu schweren Sehstörungen und Blindheit führen kann. Cidofovir kann gegen CMV eingesetzt werden, die gegen Ganciclovir (Cymevene®) oder Foscarnet (Foscavir®) resistent sind. In dieser sowie in einer weiteren Studie mit ähnlicher Versuchsanordnung wurde die Wirkung von intravenös verabreichtem Cidofovir auf den Verlauf der CMV-Retinitis geprüft. 1

Methoden
64 AIDS-Kranke mit vorgängig unbehandelter CMV-Retinitis wurden in einer amerikanischen Multizenter-Studie randomisiert in drei Gruppen aufgeteilt. Die Retina war bei allen Patienten nur peripher und zu weniger als 25% von Läsionen betroffen. Bei der ersten Gruppe wurde mit einer Behandlung zugewartet, bis es zur Progression der Retinitis kam. Die beiden anderen Gruppen wurden unmittelbar nach der Diagnose während 2 Wochen mit Cidofovir (5 mg/kg Körpergewicht pro Woche) behandelt. Anschliessend erhielt die eine Gruppe alle 2 Wochen eine niedrige (3 mg/kg), die andere eine höhere Dosis (5 mg/kg). Da Cidofovir dosisabhängig nephrotoxisch ist, wurde auf eine gute Hydrierung geachtet und zusätzlich Probenecid (Benemid®) verabreicht. Die Entwicklung der Krankheit wurde mit Fundusphotographien und Visusprüfungen dokumentiert.

Ergebnisse
In der Gruppe, die initial nicht behandelt wurde, musste wegen progredienter Retinitis durchschnittlich nach 21 Tagen mit einer Behandlung begonnen werden. Wurde sofort nach Diagnosestellung mit der niedriger dosierten Cidofovirtherapie begonnen, so kam es im Mittel erst nach 64 Tagen zu einer Progression der Erkrankung. Mit der höheren Cidofovir-Dosis wurde eine Progression noch stärker verzögert; weniger als 50% der Patienten hatten während der Studiendauer eine Verschlechterung. Allerdings wurde in allen Gruppen ein ähnlicher Verlust der Sehkraft festgestellt. Unter Cidofovir stieg der Plasmakreatininwert bei 10 Personen auf über 133 mmol/l an; schwere nephrotoxische Wirkungen wurden nicht beobachtet.

Schlussfolgerungen
Bei AIDS-Kranken verzögert Cidofovir das Fortschreiten einer CMV-Retinitis. Dabei ist auf nephrotoxische Wirkungen zu achten.

Cidofovir weist im Vergleich zur bisherigen Therapie einer CMV-Retinitis mit Ganciclovir oder Foscarnet einige praktische Vorteile auf. Das Mittel kann in wöchentlichen Abständen oder noch seltener und ohne venösen Dauerkatheter verabreicht werden. Es scheint bei der Behandlung einer CMV-Retinitis ähnlich wirksam wie Ganciclovir oder Foscarnet zu sein, direkte Vergleichsstudien fehlen jedoch. In einigen Jahren werden voraussichtlich oral verabreichbare Medikamente zur Verfügung stehen. Dank wirksameren antiretrovira len Kombinationstherapien wird die im Spätstadium einer AIDS-Erkrankung auftretende CMV-Retinitis immer seltener. Bei organtransplantierten Patienten mit medikamentös bedingter Immunschwäche kann eine CMV-Pneumonie zum Problem werden. Erfahrungen mit Cidofovir liegen hier jedoch noch keine vor.

Bernhard Hirschel

1 Lalezari JP, Stagg RJ, Kuppermann BD et al. Intravenous cidofovir for peripheral cytomegalovirus retinitis in patients with AIDS. Ann Intern Med 1997 (15.Februar); 126: 257-63

 

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Cidofovir wirksam bei Zytomegalievirus-Retinitis (Mai 1997)
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