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Differenzierte Therapie von Schulterschmerzen

r -- Winters JC, Sobel JS, Groenier KH et al. Comparison of physiotherapy, manipulation, and corticosteroid injection for treating shoulder complaints in general practice: randomised, single blind study. BMJ 1997 (3. Mai); 314: 1320-5 [Link]
Kommentator(in): 
infomed screen Jahrgang 1 (1997) , Nummer 7
Datum der Ausgabe: August 1997

Studienziele

In dieser Studie wurde die Wirksamkeit einer physiotherapeutischen Behandlung, einer manuellen Therapie und lokaler Kortikosteroidinjektionen bei Personen mit Schulterschmerzen verglichen.

Methoden

198 Personen mit Schulterschmerzen, die während 12 Monaten eine von 7 holländischen Allgemeinpraxen aufsuchten, wurden in die Studie aufgenommen und während einer Woche mit täglich 3mal 50 mg Diclofenac (z.B. Voltaren®) behandelt. 172 Personen waren nach dieser Behandlung noch nicht beschwerdefrei und wurden entsprechend ihrer Diagnose einer Behandlungsgruppe zugeteilt. 58 Personen, die an Schulterschmerzen wegen Beschwerden im Bereich der Hals- oder Brustwirbelsäule litten, erhielten nach dem Zufall entweder Physiotherapie (2mal wöchentlich Übungen, Massage, Wickel) oder manuelle Therapie (1mal wöchentlich Mobilisation). 114 Personen mit Schulter-Periarthropathie erhielten nach dem Zufall entweder Physiotherapie, manuelle Therapie oder Kortikosteroidinjektionen (maximal 3 Injektionen innerhalb von 4 Wochen mit 40 mg Triamcinolon, z.B. Kenacort®). Alle Personen führten ein Beschwerdetagebuch und wurden von einem Physiotherapieteam, das die Art der Behandlung nicht kannte, mehrmals untersucht.

Ergebnisse

70% der Personen, die wegen Beschwerden im Schultergürtelbereich manualtherapeutisch behandelt wurden, waren nach 5 Wochen beschwerdefrei. Bei den Personen, die Physiotherapie erhalten hatten, waren es lediglich 10%. Die manuelle Therapie wurde von 6 Personen (20%) wegen ausbleibender Wirkung abgebrochen, die Physiotherapie von 13 Personen (45%). Bei der Periarthropathie waren nach 5 Wochen 75% der Personen, denen Kortikosteroide infiltriert wurden, beschwerdefrei. Die Manualtherapie führte in 40%, die Physiotherapie in 20% zu Beschwerdefreiheit. Wegen fehlender Wirksamkeit brachen 17% die Injektionsbehandlung, 51% die Physiotherapie und 59% die manuelle Therapie ab.

Schlussfolgerungen

Die Manualtherapie scheint zur Behandlung von Beschwerden im Schultergürtelbereich der Physiotherapie überlegen zu sein. Bei der Schulter-Periarthropathie wirken intraartikulär verabreichte Kortikosteroide besser als eine manuelle Therapie oder Physiotherapie.

Intra- und periartikulär verabreichte Kortikosteroide sind nutzbringend zur temporären Entzündungshemmung und Schmerzbehandlung. Sie vermögen auch in einzelnen Fällen Beweglichkeit und Funktion des Schultergelenkes zu verbessern. Das Risiko schwerwiegender unerwünschter Wirkungen wie Knorpelschädigung, infektiöse Arthritis u.a. ist gering, wenn die Kontraindikationen beachtet und eine korrekte Injektionstechnik angewendet wird. Man soll sich jedoch auf einige wenige Injektionen beschränken, da immer auch mit einer systemischen Wirkung zu rechnen ist. Obwohl intraartikuläre Kortikosteroidinjektionen zur Behandlung von Schulter-Arthropathien seit mehr als vier Jahrzehnten verwendet werden, ist ihre Wirkung auf den Langzeitverlauf schlecht dokumentiert. Mit mehr als einer symptomatischen Besserung der Beschwerden darf kaum gerechnet werden.

Benedikt Holzer

 

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