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Wer braucht Antibiotika bei Otitis media?

r -- Little P, Gould C, Moore M et al. Predictors of poor outcome and benefits from antibiotics in children with acute otitis media: pragmatic randomised trial. BMJ 2002 (6. Juli); 325: 22-7 [Link]
Kommentator(in): 
infomed screen Jahrgang 6 (2002) , Nummer 9
Datum der Ausgabe: September 2002

Studienziele
Mittelohrentzündungen bei Kindern werden immer noch häufig mit Antibiotika behandelt, obwohl randomisierte Studien höchstens einen marginalen Nutzen gezeigt haben. In einer Analyse einer randomisierten Studie wurde untersucht, ob Kinder, die von einer antibiotischen Therapie profitieren würden, anhand bestimmter Merkmale erkannt werden können.

Methoden
315 Kinder (im Alter zwischen 6 Monaten und 10 Jahren) mit einer Mittelohrentzündung wurden im Rahmen einer offen geführten randomisierten Studie untersucht. Diejenigen, die sofort mit Amoxicillin (z.B. Clamoxyl®) behandelt wurden, hatten durchschnittlich etwa 1 Tag weniger lang Schmerzen als solche, die erst bei persistierenden Beschwerden nach 3 Tagen antibiotisch behandelt wurden. In der vorliegenden sekundären Analyse wurde nach den initialen Merkmalen gesucht, die mit einem ungünstigen Verlauf der Erkrankung korrelierten. Dabei wurde beurteilt, wie bedeutsam Schmerzen, akute Krankheitsphasen («Distress») und Nachtruhestörungen während den ersten 3 Tagen nach der Konsultation waren.

Ergebnisse
Im Vergleich mit initial fieberfreien Kindern waren hatten Kinder mit Körpertemperaturen über 37,5° mehr «Distress»- Phasen (33% gegenüber 10%) und mehr gestörte Nächte (26% gegenüber 12%). Ein ähnlicher Zusammenhang ergab sich auch für Kinder, die erbrochen hatten oder an Husten litten. Nur 32% der Kinder mit Fieber oder Erbrechen hatten «Distress»-Symptome, wenn sie sofort antibiotisch behandelt wurden (ohne Antibiotika: 53%). Analog war auch das Risiko einer gestörten Nacht für Antibiotika-Behandelte kleiner. Bei Kindern, die initial weder Fieber hatten noch erbrachen, fand sich dagegen kein signifikanter Einfluss der Antibiotika auf «Distress» oder Nachtruhestörungen. Von den klinischen Befunden war lediglich ein «fliessendes» Ohr mit Ohrschmerzen von mehr als drei Tagen Dauer assoziiert.

Schlussfolgerungen
Bei Kindern mit einer Otitis media, die an Fieber oder Erbrechen leiden, beschleunigte der sofortige Beginn einer antibiotischen Therapie die Rückbildung der Beschwerden. Bei Kindern ohne diese Begleitsymptome konnte kein Nutzen nachgewiesen werden. (BW)

Seit mehr als 10 Jahren weiss man, dass eine Therapie der akuten Otitis media mit Antibiotika bei Kindern im Alter von über 2 Jahren weder Komplikationen oder Rezidive verhindert, noch Schmerzen in den ersten 24 Stunden zu lindern oder den Krankheitsverlauf wesentlich zu verkürzen vermag. Der Glaube vieler Eltern (und auch Ärzte), eine akute Otitis media müsse auf jeden Fall mit Antibiotika behandelt werden, führt dazu, dass auch ein nach «evidence based»-Kriterien handelnder Arzt sich gedrängt fühlt, Antibiotika zu verschreiben. In der vorliegenden Studie konnten einzelne Kinder, z.B. solche mit Fieber oder Erbrechen, von einer Therapie mit Antibiotika profitieren. Sie hatten weniger Schmerzen und schliefen besser. Antibiotika sind jedoch weder Schmerz- noch Schlafmittel. Ein gutes Gespräch mit den Eltern, eine konsequente analgetische Therapie, z.B. mit Paracetamol (Treuphadol® u.a.), und eine Nachkontrolle nach 2 bis 3 Tagen sind wesentlich wichtiger und wirksamer, benötigen jedoch mehr Zeit als die unkontrollierte Verschreibung von Antibiotika.

Benedikt Holzer

 

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