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Präoperative Chemotherapie bei Ösophaguskarzinom

r -- Girling DJ. Surgical resection with or without preoperative chemotherapy in oesophageal cancer: a randomised controlled trial. Medical Research Council Oesophageal Cancer Working Group. Lancet 2002 (18. Mai); 359: 1727-33 [Link]
Kommentator(in): 
infomed screen Jahrgang 6 (2002) , Nummer 8
Datum der Ausgabe: August 2002

Studienziele
Ob eine präoperative Chemotherapie die düstere Prognose des Ösophaguskarzinoms verbessert, war wegen sich widersprechender Studienresultate bisher unsicher. Eine randomisierte Studie sollte darüber mehr Klarheit verschaffen. .

Methoden
In 42 europäischen Zentren wurden 802 Männer und Frauen mit einem bisher unbehandelten, operablen Ösophaguskarzinom nach dem Zufall entweder ohne chemotherapeutische Vorbehandlung oder nach Behandlung mit 2 Zyklen Cisplatin (Platinol® u.a.; 80 mg/m2) plus Fluorouracil (1'000 mg/m2) operiert. Die behandelnden Onkologen waren frei in der Entscheidung, ob präoperativ bestrahlt werden sollte oder nicht. Primärer Endpunkt der Studie war die Überlebenszeit, als sekundäre Endpunkte wurden Dysphagie und Grad der Einschränkung der täglichen Aktivitäten untersucht.

Ergebnisse
Bei den chemotherapeutisch Vorbehandelten konnte der Tumor häufiger vollständig reseziert werden als in der Kontrollgruppe (gemäss Histologie bei 60% gegenüber 53%), die Tumoren waren signifikant kleiner und Lymphknoten waren seltener befallen. Postoperative Komplikationen waren in beiden Gruppen gleich häufig (gut 40%). Auch überlebten die chemotherapeutisch Vorbehandelten signifikant länger und hatten spätere Rückfälle: median betrug die Überlebenszeit 17 Monate in der Chemotherapiegruppe und 13 Monate in der Kontrollgruppe. Nach 2 Jahren waren noch 43% bzw. 34% am Leben. Bezüglich Dysphagie und Einschränkung der täglichen Aktivitäten fanden sich bei den Überlebenden keine signifikanten Unterschiede. Für verschiedene Tumorlokalisationen und -histologien konnten keine Unterschiede in der Wirkung der Chemotherapie festgestellt werden. Häufigste unerwünschte Wirkung war eine Neutropenie. Etwa 5% der Vorbehandelten erhielten nur einen Chemotherapie-Zyklus.

Schlussfolgerungen
Beim operablen Ösophaguskarzinom sollte eine präoperative Chemotherapie mit 2 Zyklen Cisplatin plus Fluorouracil in Betracht gezogen werden. (MH)

Auf Grund guter Erfahrungen mit einer platin-basierten Chemotherapie wurde in dieser randomisierten Studie «Chirurgie allein» mit «Chirurgie plus Chemotherapie» an einem homogenen Krankengut mit operablem Ösophaguskarzinom verglichen. Offensichtlich verlängert die präoperative Chemotherapie sowohl die mittlere Überlebenszeit als auch das krankheitsfreie Überleben, ganz im Gegensatz zu der amerikanischen Intergroup-Studie, in der die perioperative Chemotherapie keine Vorteile brachte.1 Diese Diskrepanz wird durch 2 wichtige Tatsachen erklärt: 1. Die Platin- und Fluorouracil-Dosen waren in der Intergroup-Studie viel höher angesetzt, Dosisreduktionen fanden infolge Toxizität viel häufiger statt, und 2. Die Erkrankten wurden postoperativ in reduziertem Allgemeinzustand nachbehandelt mit einem Ausfall von schlussendlich 48%. Die Studienverantwortlichen folgern zu Recht, dass eine vorsichtig dosierte präoperative Chemotherapie bei diesem schwer behandelbaren Tumor sinnvoll ist.

Peter Forrer

1 Kelsen DP, Ginsberg R, Pajak TF et al. Chemotherapy followed by surgery compared with surgery alone for localized esophageal cancer. N Engl J Med 1998 (31. Dezember); 339: 1979-84

 

Standpunkte und Meinungen

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