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Prognosevergleich: koronare Herzkrankheit und Diabetes

k -- Evans JM, Wang J, Morris AD. Comparison of cardiovascular risk between patients with type 2 diabetes and those who had had a myocardial infarction: cross sectional and cohort studies. BMJ 2002 (20. April); 324: 939-42 [Link]
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infomed screen Jahrgang 6 (2002) , Nummer 7
Datum der Ausgabe: Juli 2002

Studienziele
Ein Typ-2-Diabetes wird als kardiovaskulärer Hochrisikofaktor eingestuft. In Behandlungsempfehlungen werden Diabeteskranke hinsichtlich kardiovaskulärer Prävention häufig den Personen mit einer koronaren Herzkrankheit (KHK) gleichgestellt. In der vorliegenden Untersuchung wurden diese beiden Hochrisikogruppen miteinander verglichen.

Methoden
Als Grundlage diente eine Datenbank in Tayside, Schottland, in der alle Spitalaufenthalte und Todesfälle und auch alle Diabetikerinnen und Diabetiker der Region registriert werden. Einerseits wurde eine Querschnittsuntersuchung gemacht, in der alle Leute zwischen 45 und 64 Jahren eingeschlossen wurden, die vor 1988 einen Herzinfarkt erlitten hatten oder bis zu diesem Zeitpunkt an einem Typ-2-Diabetes erkrankt waren. Andererseits wurden in einer Kohortenstudie diejenigen Leute untersucht, die im Zeitraum von 1988-1995 einen Herzinfarkt erlitten hatten oder bei denen in dieser Zeit die Diagnose eines Typ-2-Diabetes gestellt wurde. Personen mit beiden Diagnosen wurden ausgeschlossen. Verglichen wurden allgemeines Sterberisiko, Risiko für einen kardiovaskulären Tod und Risiko für einen Spitaleintritt wegen eines Herzinfarktes.

Ergebnisse
In der Querschnittsuntersuchung wurden 1'155 Personen mit Diabetes mit 1'347 Personen mit KHK verglichen. In beiden Gruppen betrug das Durchschnittsalter 57 Jahre. Der Frauenanteil war kleiner in der Gruppe mit KHK (28% gegenüber 42%). Korrigiert nach Alter und Geschlecht war das Sterberisiko in der KHK-Gruppe signifikant höher als in der Diabetesgruppe (RR 1,3). Auch das Risiko, wegen eines Herzinfarktes hospitalisiert zu werden, war für Personen mit KHK höher (RR 2,3). In der Kohortenstudie mit 3'477 Personen in der Diabetesgruppe und 7'414 Personen in der KHK-Gruppe zeigte sich ebenfalls in der KHK-Gruppe ein höheres Sterberisiko oder wegen eines Myokardinfarktes hospitalisiert zu werden (RR 1,4 bzw. 3,1). 

Schlussfolgerungen
Das Sterbe- und Infarktrisiko ist bei Personen ohne Diabetes, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben, höher als bei Diabeteskranken, die noch keinen Herzinfarkt erlitten haben. (WE)

Was bringt uns die vorliegende Studie für unseren klinischen Alltag? Ich meine: nicht allzu viel. Wollen uns die Studienverantwortlichen suggerieren, dass der Typ-2- Diabetes trotz allem eine nicht so gefährliche Krankheit darstellt? In namhaften Sekundärpräventionsstudien wurde redundant belegt, dass Diabeteskranke zu einer Hochrisikogruppe gehören, die von solchen Interventionen vergleichsweise überproportional profitieren. Auf jeden Fall sollten wir uns auf Grund der vorliegenden Studie nicht verleiten lassen, die Sekundärprävention bei Diabeteskranken als weniger notwendig als bei Personen mit einer koronaren Herzkrankheit einzustufen.

Werner Eugster



 

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Prognosevergleich: koronare Herzkrankheit und Diabetes (Juli 2002)
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